Die Fitnessindustrie lässt ihre Muskeln spielen

TRENDSPORT ⋅ Gewichte heben oder auf dem Laufband joggen – das begeistert ein grosses Publikum. Auch im Kanton Luzern öffnet ein Studio nach dem andern. Das freut nicht alle.

17. März 2017, 05:00

Sebastian Hofer

sebastian.hofer@luzernerzeitung.ch

«Ich möchte das Beste aus meinem Körper holen», sagt Yannick H. Der 23-Jährige aus Luzern trainiert fünf Mal pro Woche im Evolution-Gym in Perlen. Als er vor vier Jahren mit dem Training startete, hätte er nie gedacht, eines Tages mit so viel Ehrgeiz dabei zu sein. «Heute geht es nicht mehr ohne.» Mit dieser Meinung ist er nicht allein. In der Fitnessbranche ist ein regelrechter Boom zu beobachten.

Das Angebot wird nicht nur immer grösser, sondern auch vielfältiger: Vom Edelfitness (zum Beispiel Indigo Fitness-Club in der Stadt Luzern) bis zum 24-Stunden-Gym (neben anderen das Spartakus Fitness-Center in Emmen) ist alles zu finden.

Interessant: Wie viele Menschen tatsächlich in Fitnesscentern trainieren, darüber schweigen die Betreiber. Schätzungen gehen bis zu 750 000 Personen schweizweit. Auch die genaue Zahl der Fitnesscenter fehlt. Ein Blick ins elektronische Telefonverzeichnis «search.ch» zeigt allein im Kanton Luzern 34 Fitnessstudios.

Migros eröffnet weitere Studios in Luzern

Kein Wunder engagieren sich grosse Firmen in der Branche: Die Migros zum Beispiel mischt mit ihren Fitnessparks und der Tochtergesellschaft One-Training-Center mit. Allein im Kanton Luzern betreibt sie insgesamt sieben Fitnesseinrichtungen. Im Herbst wird mit dem «One» in Willisau ein weiteres hinzukommen. Und in der Mall of Switzerland, die im Herbst in Ebikon ihre Tore öffnet, wird die Migros auf 2000 Quadratmetern das bislang grösste One-Fitnessstudio in Betrieb nehmen. Claudius Bachmann, Mediensprecher der Migros Luzern, bestätigt: «Wir sprechen von stabilen bis leicht steigenden Mitgliederzahlen.» One-Training-Center prüfe laufend Standorte zur Expansion.

Auch Coop ist aktiv im Fitnessgeschäft. Im Jahr 2016 hat das Unternehmen die Fitnesskette «Update Fitness» übernommen. Im Kanton Luzern gibt es aber noch keine Filiale.

Auch bei den Krankenkassen ist die Fitnessbegeisterung zu spüren. Bei der CSS zum Beispiel verzeichnet man seit 2013 eine leichte Zunahme von Bezügen für Fitnessabos. Gestiegen sind laut Christina Wettstein, Leiterin der Medienstelle, sowohl die Anzahl der Versicherten, die ein Gesundheitskonto bei der CSS nutzen, als auch der Anteil Personen, die mit ihrem Gesundheitskonto Fitnesscenterleistungen beziehen. Die CSS vergütet Beträge zwischen 150 und 350 Franken jährlich.

Doch nun zurück ins Fitnesscenter: Ivan Bucher ist einer, der schon lange im Geschäft ist. Der 43-Jährige aus Kerns betreibt seit 23 Jahren Fitnessstudios – seit 2011 das Lifefitness 24 in Horw. «Den Menschen wird immer bewusster, dass in der heutigen digitalisierten Welt die körperliche Aktivität oft zu kurz kommt», sagt der ehemalige Kunstturner und aktive Bodybuilder Ivan Bucher. Besonders in den letzten zehn Jahren habe die Begeisterung zugenommen. Ähnliche Beobachtungen gibt es bei der Migros. «Der Trend in der Bevölkerung, für die persönliche Gesundheit etwas zu unternehmen, ist ungebrochen», sagt Claudius Bachmann.

Es geht aber nicht nur um die Gesundheit, sondern auch um die Ästhetik: «Viele Menschen definieren sich über ihr Aussehen. Und heute gehört ein Sixpack zum Idealbild», sagt Ivan Bucher. «Der Körperkult ist sehr stark gewachsen.» Die sozialen Medien, besonders Instagram, hätten zum Fitnesstrend beigetragen.

Lieber ins Fitness als Fussball spielen

Die Konsequenzen daraus bekommen andere klassische Sportarten zu spüren, zum Beispiel Fussball. Besonders viele Abgänge seien bei den 30- bis 35-Jährigen zu verzeichnen, sagt Urs Dickerhof, Präsident des Innerschweizerischen Fussballverbands (IFV). «In diesem Alter sehnen sich viele Sportler nach mehr Individualität. Das bietet ihnen das Fitnesscenter. Ausserdem muss man sich im Fitness an keinen Zeitplan halten oder Rücksicht auf seine Mannschaft nehmen», meint Dickerhof.


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