Diese Kunst am Kreisel eckt bei einigen an

BUTTISHOLZ ⋅ Beim Bau des Kreisels Guglern kam es immer wieder zu Verzögerungen. Bis die Hühner aus Stahl ihren Platz einnehmen konnten, zogen viele Jahre ins Land – und noch immer sorgt die Kreiselkunst für Diskussionen.
12. August 2017, 07:42

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Egal aus welcher Richtung man auf den Kreisel im Gebiet Guglern in Buttisholz zufährt, man sieht immer dieselbe Silhouette. Im Innenraum des Kreisels sind zwölf Hühner aus rostigen Stahlplatten fächerförmig im Kreis angeordnet. So sieht er von jedem Betrachtungswinkel gleich aus.

Die Idee stammt vom einheimischen Holzbau-Unternehmer Walter Roos. «Das Gebiet nannten wir schon in der Schulzeit Gloggere. Deshalb habe ich vorgeschlagen, Hühner im Zentrum zu platzieren. Ich finde, die passen gut an diesen Standort, zudem ist mir nicht bekannt, dass noch weitere tierische Kreisel im Kanton Luzern existieren», sagt er. Doch dazu etwas später. Offiziell eingeweiht wurde der Kreisel am 24. März 2012. Die Baukosten von rund 1,5 Millionen Franken wurden vollumfänglich durch den Kanton übernommen. Nicht in diesem Kredit enthalten war die Gestaltung des Kreisels.

Bis die Hühner ihren Platz einnehmen konnten, gingen etliche Jahre ins Land. Das Bauprojekt wurde 2004 öffentlich aufgelegt. Der Baubeginn rückte aber in weite Ferne, weil die Ausführung von Strassenbauten vom Kanton um Jahre aufgeschoben wurde. Doch auch im Bauprogramm von 2007 bis 2010 erschienen keine Projekte aus Buttisholz. Geplant war neben dem Kreisel Guglern ein Radweg. Der Gemeinderat teilte den Entscheid des Kantons am 15. Dezember 2005 wie folgt mit. «Der Kreisel, fertig geplant und gar genehmigt, wird in die Zeit nach 2011 bis 2014 hinausgeschoben. Der Radweg von Guglern bis Rot wird nach 2014 vielleicht im Programm sein.» Dieser Situation konnten die Dorfbehörden nicht viel abgewinnen, weshalb die Gemeinderäte Grosswangen und Buttisholz die Projekte erneut eingegeben haben und deren Vorziehen begründeten.

Der Kreisel als verfrühtes Weihnachtsgeschenk

Offensichtlich mit Erfolg, wie Reto ­Helfenstein, Geschäftsführer und Gemeindeschreiber von Buttisholz, auf Anfrage mitteilt: «Der Regierungsrat hat aus dem Überschuss im Jahr 2008 für den Strassenbau 15 Millionen Franken als Impulsprogramm zurück­gestellt. Es wurde angezeigt, dass der Kreisel bereits im Jahr 2010 gebaut werden kann.» Trotz einer weiteren Ver­zögerung sei mit dem Bau des Kreisels Ende 2010 gestartet worden, genau am 22. November. Helfenstein vermutet, dass auch ein Artikel aus der «Neuen Luzerner Zeitung» vom 5. Mai 2009 ausschlaggebend für die tatsächliche Umsetzung gewesen sein könnte. ­Darin wurde Buttisholz als einer der grossen Unfallschwerpunkte im Kanton ­Luzern dargestellt. Am Standort, wo jetzt der Kreisel Guglern steht, haben sich von 2004 bis 2008 elf Unfälle mit neun ­Verletzten ereignet. Wie dem auch sei: Am 13. Dezember 2011 fand nach einer einjährigen Bauzeit die Abnahme des Kreisels statt. Quasi als verfrühtes Weihnachtsgeschenk, wie der Ge­meinderat am 20. Dezember 2011 mitteilte.

Die Verkehrsführung und die Sicherheit sollten die wichtigsten Aspekte eines Kreisels sein. Freigestellt ist die Gestaltung des Innenraums. Wie bei ­unzähligen Kreiseln im Kanton Luzern und der Schweiz zu sehen ist, sind bei dieser kaum Grenzen gesetzt. In Buttisholz war das nicht anders. Helfenstein: «Der Gemeinderat hat einen Wettbewerb lanciert. Die Bevölkerung wurde gebeten, Vorschläge einzureichen. Es sind 19 Ideen eingegangen.» Eine Arbeitsgruppe bestehend aus Mit­gliedern des Gewerbevereins, dem Gemeinderat, der Abteilung Zentrale Dienste sowie einem Metallfachmann hat eine Nutzwertanalyse mit einem Kriterienraster erstellt. Das Design ­wurde mit 40 Prozent am stärksten gewichtet. Auch der Bezug zu Buttisholz und dem Gewerbe war mit 30 Prozent ein wichtiges Kriterium. Der Anschaffungspreis (24 000 Franken) wurde mit 20 Prozent gewichtet. Unterhaltskosten inklusive Aufwand machten 10 Prozent aus. Danach hat der Gemeinderat den Entscheid der Arbeitsgruppe gestützt und die Umsetzung beschlossen.

Durchgesetzt hat sich wie erwähnt der Vorschlag von Walter Roos mit dem Gloggere-Huhn. Erstaunlich: Der Holzbauer entschied sich für den Werkstoff Stahl. «Ein Grund ist die Beständigkeit des Metalls. Holz muss nachbehandelt werden, damit es der Witterung trotzt. Zudem gefällt mir, dass rostiges Metall bei Regen eine andere Farbe annimmt, als wenn es trocken ist», sagt Roos.

Über die Gestaltung der Verkehrskreisel lässt sich diskutieren. Dessen war sich Roos bewusst. «Die Meinungen sind gespalten, einige Künstler sind mit der Gestaltung nicht zufrieden. Dafür habe ich von älteren Einwohnern gute Rückmeldungen erhalten. Aber das ist gut, ich habe mit Kritik kein Problem.»

«Kein Blüemli, kein Rasen, einfach nichts»

Wie schön oder kunstvoll der Kreisel ist, wollten wir an einem Dienstagmittag von Leuten an Ort und Stelle und von Künstlern aus dem Kanton Luzern wissen. In einem in der Nähe des Kreisels liegenden Geschäft arbeitet Gisela aus dem Entlebuch. Sie findet die Gestaltung nicht speziell schön. «Es ist zwar mit den Hühnern anders als andere. Meiner Meinung nach hätte es der Sache aber gut getan, wenn man hübsche Blumen gepflanzt hätte.» Sie verweist auf einen Kreisel in Willisau, welcher mit schönen Begonien bepflanzt sei. «Aber hier, kein Blüemli, kein Rasen, einfach nichts.» Über die Hühner sagt sie: «Die gehen wahrscheinlich unter den Begriff Kunst. Also ich weiss nicht. Am Anfang dachte ich: Wieso macht man so etwas?»

Der einheimischen Eliane gefällt der Kreisel ebenfalls nicht. Die Frau arbeitet im Tankstellenshop und hat das Werk täglich vor Augen. «Was bitte soll an rostigen Hühnern spannend sein?», fragt sie. Nicht so kritisch ist eine Kundin namens Conny aus Ruswil. Sie hat Freude an dem ungewöhnlichen Gebilde. «Ich schaue mir das immer wieder gerne an. Die Hühner sind gut. Ich finde es ohnehin klasse, wenn Kreisel speziell präsentiert werden. Etwa wie jener in Wolhusen, der mit seinen Inschriften auffällt.»

Damit teilt sie die Meinung zweier Experten, die wir befragt haben. Werner Alois Zihlmann alias Wetz, der 2010 in Beromünster das Kunsthaus KKLB (Kunst und Kultur im Landessender Beromünster) eröffnete, meint: «Es gibt im Kanton Luzern hervorragende Kreisel. Zwei hochkarätige findet man in Wolhusen und in Sempach.» Jedoch stelle sich bei vielen Kreiseln die Frage, weshalb deren Gestaltung zugelassen wurde. «Wir haben im Kanton Luzern Hochschulen der Künste und der Architektur und sollten gewisse Ansprüche haben. Aber die durchschnittliche Qualität von Kreiseln ist schlecht.» Er habe schon diverse Anfragen erhalten, um Kreisel zu gestalten. Angenommen habe er keine.

Robert Müller aus Buttisholz, Bildhauer, Filmemacher und Dozent an der Hochschule Luzern – Design und Kunst, meint zum Guglern-Kreisel: «Ich finde das Sujet des Gloggere-Huhns vielleicht eher plakativ. Interessant sind Kreisel, bei denen beim Befahren immer wieder neue Aspekte sichtbar werden, also auf die spezielle Situation auch bei der Gestaltung Bezug genommen wird.» Den in Wolhusen findet er grossartig und den beim Kreuzstutz in Luzern sehr spannend. «Da geht’s um einen wichtigen Bezug zum Quartier. Dass Christoph Fischer dem Strassenwischer Heinz Gilli ein Denkmal widmet, ist hervorragend. Dies hat mit dem Quartier zu tun und nimmt auch eine politische Position ein.»

Walter Roos hat als aktives Mitglied des Gewerbevereines Buttisholz seine Idee im Auftrag dieses Vereines eingereicht. Er konnte während der Planungs- und Umsetzungsphase auf tatkräftige Unterstützung vom einheimischen Gewerbe zählen. Er sagt: «Ich bin stolz, dass ich in Buttisholz mit den Hühnern meinen Fussabdruck setzen durfte.»

Hier können Sie weitere Kreiselgeschichten lesen: luzernerzeitung.ch/dossier


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