In sechs Minuten dreimal geblitzt

KRIMINALGERICHT ⋅ Gleich dreimal tappte ein junger Holländer in die Radarfalle. Im Sonnenbergtunnel bei Luzern fuhr er gar 66 Stundenkilometer schneller als erlaubt. Trotzdem liessen die Richter Milde walten.
13. Februar 2018, 08:20

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Es war im August 2016, als ein Holländer mit seinem Ford Fiesta nordwärts über die Autobahn A 2 durch die Schweiz raste. Er war von Italien nach Holland unterwegs. Der damals 18-Jäh­rige wurde bei seiner Raserei innert sechs Minuten dreimal geblitzt. Nun liegt der rechtskräftige Schuldspruch vor: Das Luzerner Kriminalgericht verurteilte den Holländer Anfang Januar zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten, dies bei einer Probezeit von 2 Jahren.

Durch die Auswertung der Daten der stationären Radarkontrollen konnte dem Mann nachgewiesen werden, dass er im Sonnenbergtunnel bei Luzern nach Abzug des Toleranzwertes 66 Kilometer schneller fuhr als die erlaubten 80 Stundenkilometer.

Dieses Verhalten wurde vom Gericht als gravierend bewertet, da der Junglenker nebst übersetzter Geschwindigkeit auch nicht über Streckenkenntnisse verfügte. Hätte ein Gegenstand auf der Fahrbahn gelegen oder sich ein fahrerisches Problem ergeben, so hätte er laut den Richtern nicht adäquat reagieren können.

Vom Kanton Nidwalden bereits bestraft

Nach dem Sonnenbergtunnel setzte der Mann seine Fahrt zwar langsamer, jedoch immer noch zu schnell fort. Denn auch im Reussporttunnel fuhr er zu schnell und wurde geblitzt. Dieses Mal hatte er die Höchstgeschwindigkeit nach Abzug des Toleranzwertes um 12 Stundenkilometer überschritten. Doch damit nicht genug. Wie Auswertungen zeigten, hatte der Mann bereits den Kirchenwaldtunnel im nidwaldnerischen Hergiswil mit übersetzter Geschwindigkeit passiert. Dort war er 54 Stundenkilometer über dem Tempolimit von 80 Stundenkilometern. Dafür wurde der Holländer im Kanton Nidwalden bereits bestraft.

Dass der Lenker gleich dreimal innert sechs Minuten in eine Radarfalle tappte, zeigt laut Gericht deutlich, dass er «regelrecht durch die Schweiz raste» und äusserst verantwortungslos handelte. Auch fehlte dem jungen Mann die Fahrpraxis und damit die Erfahrung zum Einschätzen seines Fahrstils. Denn zum Zeitpunkt seiner Raserfahrt war er erst seit vier Monaten 18-jährig.

Geständig und kooperativ

Für solch eine qualifizierte Verletzung der Verkehrsregeln sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von einem bis vier Jahren vor. Der Junglenker gab die Straftaten zu, zeigte sich kooperativ und hatte bis dato keine einschlägigen Vorstrafen. Er delinquierte erstmals in derart schwerer Weise. All diese Umstände wirkten sich positiv auf das Strafmass aus und liessen die Richter milde urteilen.

Doch nicht nur seine Kooperation war massgebend für das Strafmass, wie im Urteil des Luzerner Kriminalgerichts ausgeführt wird. Auch dass der Hol­länder über intakte Familienverhältnisse und ein gutes Umfeld verfügt, wurde berücksichtigt. Die Strafe von 13 Monaten bedingt wirke sich deshalb abschreckend auf das künftige Fahrverhalten des Mannes aus. Es könne davon ausgegangen werden, dass die Strafe ihn von weiteren Vergehen und Verbrechen abhalte.

Bei seiner Befragung gab der Lenker an, dass er nicht mehr wisse, wie schnell er damals un­ter­wegs gewesen war. Er sei sich der hohen Geschwindigkeit nicht bewusst gewesen. Zu der bedingten Freiheitsstrafe muss er die Verfahrenskosten von 2285 Franken berappen.


Leserkommentare

Anzeige: