Besitzerin von Hund Louis kämpft weiter – trotz Rückschlägen

URI ⋅ Vor mehr als einem Jahr wurde Maud Berners Hund Louis auf Verfügung des Kantonstierarztes der Urkantone beschlagnahmt. Sämtliche Beschwerden dagegen wurden abgewiesen. Nun greift Berner zu drastischeren Mitteln.
16. April 2018, 14:54

Carmen Epp
carmen.epp@urnerzeitung.ch


Maud Berner ist verzweifelt. Am 7. April 2017 wurde ihr Hund Louis auf Verfügung des Kantonstierarztes der Urkantone beschlagnahmt (unsere Zeitung berichtete). Dies, weil sich Berner nicht an die verfügte Maulkorb- und Leinenpflicht gehalten habe, die Louis auferlegt worden war, weil er im Oktober 2015 Schafe angegriffen haben soll.
 
Seit diesem Tag hat Berner ihren Liebling nicht mehr gesehen. Das dürfte vorerst auch so bleiben. Der Grund: Sämtliche Schritte, die «Louis’» Frauchen seither gegen die Beschlagnahmung unternommen hat, sind gescheitert.
 
Beschlagnahmung sei nicht verhältnismässig
 
Mehrfach beteuerte Berner auf dem Rechtsweg, dass die Gefährlichkeit ihres Hundes nicht genügend ausgewiesen und die Beschlagnahmung demnach nicht verhältnismässig sei. Sie begründete dies unter anderem damit, dass die Vorfälle mit den Schafen lange zurücklägen, diese zudem äusserst umstritten waren und es seither nie wieder zu Zwischenfällen gekommen sei. Ausserdem habe sie mit «Louis» ein intensives Hundetraining durchgeführt. So wäre eine genaue Abklärung notwendig gewesen, um überhaupt eine Beschlagnahmung des Hundes rechtfertigen zu können, so die Argumentation von Berner.
 
Damit traf die Hundehalterin bisher auf taube Ohren: Am 10. Mai 2017 bestätigte der Kantonstierarzt auf die Einsprache von Berner hin die Beschlagnahmung. Dagegen erhob die Hundehalterin Verwaltungsbeschwerde beim Regierungsrat. Der wies die Beschwerde am 3. Oktober 2017 ab. Daraufhin ging Berner einen Schritt weiter und erhob Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Obergericht des Kantons Uri. Auch dies ohne Erfolg: Am 16. März 2018 wies das Obergericht die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ab.
 
Anders als Berner erachtet das Obergericht die anderthalb Jahre, in denen «Louis» nicht auffällig geworden war, als «nicht besonders lang». Ausserdem habe sich Berner erwiesenermassen nicht an die milderen Auflagen des Kantonstierarzts der Urkantone gehalten, weshalb eine Beschlagnahmung erforderlich und zumutbar sei, wie aus dem Entscheid des Obergerichts hervorgeht. Berner werde die Haltung eines Hundes nicht generell verboten. Es stehe ihr frei, einen Hund zu erwerben, welcher «weniger hohe Anforderungen in Sachen Sicherheit» stelle. «Für den Hund ‹Louis› bleibt es aber bei der definitiven Einziehung», heisst es im Entscheid.
Ein bitterer Schlag für Berner, der prompt zu ihrem 57. Geburtstag bei ihr eintraf. Sie ist nach wie vor überzeugt, dass die Beschlagnahmung ihres Hundes nicht rechtens war und wird auch diesen Entscheid weiterziehen – vor das Bundesverwaltungsgericht, wie Berner auf Anfrage unserer Zeitung sagt.
 
Üble Nachrede und Amtsmissbrauch angezeigt
 
«Der Entscheid des Obergerichts entbehrt jeglichem Rechtsverständnis», sagt Berner. Dass sie «Louis» nicht halten darf, sich aber problemlos einen Pitbull, Dobermann oder Rottweiler zulegen könnte, obwohl sie als «nicht fähige Hundehalterin» gelte, sei ein klares Zeichen für die Willkür, die sich durch das ganze Verfahren ziehe.
 
Ausserdem sei der Entscheid des Obergerichts auch aus Sicht des Tierschutzes skandalös: Louis friste seit über einem Jahr ein tristes Dasein im Tierheim – ein Umstand, der Berner am meisten zu schaffen macht. «Auch beschlagnahmte Hunde haben ein Recht auf Tierschutz», sagt sie. «‹Louis› wird dieses Recht durch die Verantwortlichen des Veterinäramts verwehrt.»
 
Neben dem Weiterzug des Entscheids vor Bundesverwaltungsgericht kämpft Berner ihren Kampf nun auch an anderen Fronten weiter: Sie hat gegen mehrere Personen Strafanzeige eingereicht, unter anderem wegen übler Nachrede, Amtsmissbrauch und Verstössen gegen das Tierschutzgesetz. «Was da abgeht, kann und darf nicht sein», sagt Berner. «Vor allem für ‹Louis› und andere Hunde, Hundehalter und Nicht-Hundehalter.» Sie werde Hunde im Fokus des Tierschutzgesetzes weiter thematisieren und dazu mit entsprechenden Organisationen und Verbänden zusammenarbeiten. «Ich möchte ein Zeichen setzen, für ein besseres Miteinander zwischen Mensch und Hund und Hunden untereinander.»
 

 


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