Urner Jäger besuchen WWF-Ausstellung zu Raubtieren

ALTDORF ⋅ Am Montag hat die Hochwildjagd in Uri begonnen. Auch der erfahrene Jäger Max Baumann ist dabei. Er unterstützt Forderungen, Grossraubtiere zu regulieren. Vor der Jagd hat er sich Zeit genommen, eine Ausstellung des WWF in Altdorf über die Tiere zu besuchen.
13. September 2017, 05:00

Matthias Stadler

matthias.stadler@urnerzeitung.ch

Die SVP und der WWF werden wohl nie beste Freunde. Verschiedene Vertreter der Volkspartei setzen sich etwa wegen vieler Schafrisse für den Abschuss des Wolfes ein, der World Wide Fund for Nature – kurz WWF – hat sich den Schutz von Natur und Umwelt und somit auch von Raubtieren auf die Fahnen geschrieben. Seit Ende August stellt der WWF Zentralschweiz im Zeughaus in Altdorf die Welt der Grossraubtiere Wolf, Luchs und Bär vor. Er informiert über die Tiere, will die Bevölkerung aufklären.

Max Baumann weiss ebenfalls viel über die Grossraubtiere. Der 73-jährige SVP-Landrat aus Spiringen ist seit 51 Jahren Jäger. Mit 22 Jahren ging er zum ersten Mal auf die Pirsch und freut sich auch jetzt wieder auf die am Montag gestartete Hochwildjagd im Kanton. In seiner Jagdkarriere hat er schon Dutzende Wildtiere erlegt. Auch mit dem Wolf und dem Luchs hat er Bekanntschaft gemacht, allerdings noch nie einen der beiden geschossen.

Wäre der Wolf doch bloss ein bisschen Vegetarier

Ein ausgestopfter Grizzlybär empfängt die Besucher im Zeughaus in Altdorf. Dies, obwohl Grizzlys nur in Nordamerika vorkommen. Max Baumann lobt die Ausstellung gleich zu Beginn: «Es ist gut, dass der WWF hier über die Tiere informiert.» Der Politiker hat die Ausstellung bereits vorgängig besucht. Er zeigt auf die verschiedenen Informationstafeln gleich beim Eingang und erzählt seine Ansichten: «Wenn der Wolf – etwa wie der Bär – Teilvegetarier wäre, hätten wir viel weniger Probleme mit ihm.» Schnell wird klar, Max Baumann hat nichts gegen die Tiere – zumindest nicht gegen den Luchs und den Bären. Diese seien wunderschöne Geschöpfe und deren Schadenspotenzial bei weitem kleiner als dasjenige des Wolfes. «Als der Bär im Kanton Uri war, war dies für mich ein Highlight. Und der Luchs ist ein herrliches Tier zum Anschauen.»

In einer Ecke der Ausstellung steht ein ausgestopfter junger Braunbär. Auch Baumann weiss: Der Bär ist nur für sehr wenige Wild- und Schafrisse verantwortlich. Für Menschen stellt er kaum eine Bedrohung dar, da er sich meistens in abgelegenen Bergregionen aufhält. «Bei einem Bären hat ein allfälliges Schiessen auch mit Selbstschutz zu tun», sagt der Jäger. Beim Wolf müsse man Herdentiere schützen, beim Bären auch sich selber. Trotzdem plädiert der Spirgner nicht dafür, Meister Petz abzuschiessen. Schon eher müsse man den Luchs ins Visier nehmen. Denn es habe zu viele dieser Tiere im Kanton. Eine Studie zeigte kürzlich, dass sieben bis neun Luchse in Uri leben. «Vier bis fünf wären besser, auch um den Schutz des Schalenwildes zu verbessern», meint er. Seiner Meinung nach sollte man den Luchs ähnlich regulieren wie Steinböcke, die ebenfalls ab einer gewissen Anzahl geschossen werden dürften.

Muss der Wolf wirklich abgeschossen werden?

Noch klarer wird Max Baumann beim Wolf, von dem es im Zeughaus ein Fell und einen Schädel zu sehen gibt: Dieser habe seit jeher einen schlechten Ruf. «Der Wolf war in den Märchen schon immer der Böse, und er ist es auch heute noch», erklärt Max Baumann. Laut einer Informationstafel in der Ausstellung ist das Tier allerdings nur für einen Bruchteil der verstorbenen Schafe verantwortlich. Von 3927 natürlich verstorbenen Schafen riss der Wolf 294. Muss das Tier denn wirklich abgeschossen werden, wie es manche Bauern fordern? Wer hier ein klares Ja von Max Baumann erwartet hätte, täuscht sich. «Das ist wahnsinnig schwierig», sagt er nach kurzem Überlegen. «Auf keinen Fall würde ich sagen, dass wir alle Wölfe schiessen müssen.» Klar sei aber, dass der Wolf mit Abstand am meisten Tiere reisse. Er verstehe Bauern, die dem Wolf am liebsten den Garaus machen würden. Trotzdem ist seine Einstellung weniger radikal. Wenn ein Wolf viele Schafe reisse, solle man ihn abschiessen, sonst nicht. Er sieht aber auch für Wildtiere Probleme, aber nicht nur wegen des Wolfes, sondern auch wegen des Menschen: «Die Natur ist überbenutzt. Die Tiere haben heute keine Ruhe mehr.» Skitourenfahrer, Wanderer, Mountainbiker suchten die wilde, abgelegene Natur und gefährdeten damit Wildtiere.

Die Quintessenz des Rundgangs im Zeughaus ist für Max Baumann klar: Er ist froh, dass sich der WWF engagiert, auch wenn er nicht immer dessen Meinung teilt: «Wir können die Probleme mit den Grossraubtieren nur zusammen mit den Naturschützern lösen.»

Hinweis

Die Ausstellung ist noch bis am 20. September im Zeughaus in Altdorf zu sehen. Ausser sonntags und montags ist sie jeden Tag am Nachmittag offen. Der Eintritt ist frei, es gibt eine Kollekte.


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