Reparatur-Café soll regelmässig stattfinden

ALTDORF ⋅ Am Energiestadtfest in Erstfeld hat der Verein Hackerspace Uri gezeigt, was man alles reparieren kann, wie auch ein Test unserer Zeitung beweist. Nun soll regelmässig ein Repair-Café stattfinden, das kommenden Samstag im Schächenwald lanciert wird.
14. November 2017, 07:51

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Ein CD-Player, aus dem keine Musik ertönt. Ein Drucker, der nicht mehr in den richtigen Farben Bilder kopiert. Ein Mixer, der keine Früchte mehr zu Säften mischt. Ein Spielzeugauto, das sich nicht mehr funkgesteuert fortbewegt. All das sind Fälle fürs Repair-Café. Dabei helfen Reparaturfachleute, defekte Geräte wieder in Gang zu setzen.

Im Rahmen des Energiestadtfests in Erstfeld fand im September in Uri erstmals eine solche Veranstaltung statt. Freude daran hatten nicht nur die Besucher, die anschliessend ihre geflickten Geräte mit nach Haus nehmen konnten. Auch die Leute von Hackerspace Uri sind motiviert, weiterzumachen, und veranstalten nun am kommenden Samstag in ihrer Werkstatt in der Industriezone Schächenwald in Altdorf ein Repair-Café. Der Name Hackerspace mag auf den ersten Blick etwas verwirrend sein. Im Verein machen Leute mit, die in ihrer Freizeit gerne tüfteln und basteln.

Reparatur des Staubsaugers hat doch noch geklappt

Bei der Veranstaltung in Erstfeld wollte es unsere Zeitung genau wissen. Wir brachten einen defekten Staubsauger mit (wir berichteten). Dieser ist inzwischen repariert und funktioniert wieder. «Das Schwierigste war, das Gerät zu öffnen», sagt Philipp Hiltbrunner vom Verein Hackerspace, der den Staubsauber repariert hat. «Schliesslich musste aber nur das Kabel ersetzt werden.»

Genau solche Herausforderungen mögen Philipp Hiltbrunner und seine Kollegen des Vereins. «Uns macht es Spass, nach der Ursache für ein Problem zu suchen», sagt er. Daher soll nun in der Werkstatt von Hacker­space Uri viermal jährlich ein Repair-Café stattfinden.

Besucher helfen mit, ihr Gerät in Gang zu setzen

Diesmal werden die Besucher eingeladen, defekte Geräte gemeinsam mit den Experten zu reparieren. «Das ist beim ersten Mal in Erstfeld etwas untergegangen, entspricht aber mehr der Philosophie des Repair-Cafés», sagt Philipp Hiltbrunner. «Die Leute bringen nicht einfach ein kaputtes Gerät und lassen es flicken, sondern sie helfen aktiv mit, es wieder in Stand zu setzen.»

Repariert werden Computer, Drucker, Laptops, Haushaltsgeräte, allgemeine Elektrogeräte, Unterhaltungselektronik und Kinderspielzeuge. Repair-Cafés sind für die Besucher grundsätzlich kostenlos. Ein freiwilliger Beitrag wird aber vom Verein gerne entgegengenommen. Bezahlt werden müssen benötigte neue Materialien oder Ersatzteile wie Elektrizitätskabel, Stecker oder Sicherungen. Die Reparaturexperten arbeiten ehrenamtlich. Eine Garantie für die Reparatur gibt es nicht. Auch wird jegliche Haftung abgelehnt.

Tagtäglich landen zahlreiche Produkte im Abfall. «Vielfach handelt es sich dabei um Gegenstände, bei denen nicht viel defekt ist und die nach einer einfachen Reparatur problemlos wieder verwendet werden könnten», sagt Walter Planzer, Präsident von Hackerspace Uri. Mit dem Repair-Café soll dieser Verschwendung entgegengewirkt werden.

Leider sei das Reparieren bei den meisten Menschen aus der Mode gekommen oder es fehle das notwendige Wissen, um die Produkte selbst zu reparieren, so Planzer. Hingegen gebe es aber auch zahlreiche Menschen mit grossem handwerklichem Geschick. Das Repair-Café versucht, diese beiden Gruppen zusammenzubringen und so die Lebens- und Nutzungsdauer von Produkten zu erhöhen.

Ein Bewusstsein fürs Reparieren entwickeln

Beim Amt für Umweltschutz, welches das erste Repair-Café im September angestossen hat, ist man über diese Entwicklung sehr erfreut. «Es war unsere Absicht, das Reparieren wieder ins Bewusstsein der Menschen zu rücken und so einen Beitrag zur Schonung der Ressourcen beizutragen», sagt Niklas Joos, Leiter Immissionsschutz beim Amt für Umweltschutz. «Beim Verein Hackerspace Uri haben wir damit offene Türen eingerannt.»

Doch wie stehen kommerzielle Reparaturbetriebe zur Veranstaltung? «Nach unserer Erfahrung wird das Repair-Café nicht als Konkurrenz angesehen. Im Gegenteil: Sie helfen, der Bevölkerung ins Bewusstsein zu rufen, dass kaputte Produkte nicht immer im Abfall landen müssen.» Und diese Erkenntnis sei auch für kommerzielle Reparaturbetriebe von Vorteil. Die Stiftung für Konsumentenschutz, welche die Repair-Cafés unterstützt, empfiehlt zudem, bei schwierigen Reparaturen auf die kommerziellen Betriebe zu verweisen. Bei den Cafés wird auch beurteilt, wann sich ein Gang zum Fachgeschäft lohnt.

Hinweis

Das Repair-Café findet am Samstag, 18. November, von 10 bis 16 Uhr bei Hackerspace Uri, Neuland 10 in Altdorf statt.


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