Nachfolge von Heinz Keller fordert Verein heraus

KANTON ⋅ Mit dem Rücktritt von Heinz Keller musste das Forum Theater Uri erstmals einen neuen Theaterleiter bestimmen. Auch an der Spitze des Trägervereins gibt es nun eine Veränderung.
12. Oktober 2017, 05:00

Das Forum Theater Uri, der Trägerverein des Altdorfer Kulturhauses, war im vergangenen Jahr vor allem mit einer grossen Frage konfrontiert: Wer wird Nachfolger von Theaterleiter Heinz Keller, der auf Ende 2018 seinen Rücktritt angekündigt hatte. «Die Suche nach einer neuen Leitung war in der bisherigen Vereinsgeschichte erst- und einmalig», heisst es im Jahresbericht des Vereins. Für diesen Prozess nahm sich der Vorstand denn auch genügend Zeit.

Insgesamt gingen 25 Bewerbungen ein. Fünf Bewerber wurden zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, zwei kamen in die engere Auswahl. Im Juni fiel die Wahl schliesslich einstimmig auf den Altdorfer Michel Truniger. «Ausschlaggebend waren die sehr gute Vernetzung mit der Urner und der überregionalen Kulturszene, die Erfahrung in Projektausführungen verschiedenster Stilrichtungen und sein bisheriger kultureller Leistungsausweis», so die Begründung im Bericht. Truniger wird die Leitung ab 1. Februar 2019 übernehmen. Bereits ab Januar 2018 beginnt aber seine Einarbeitungszeit mit einem 5-Prozent-Pensum.

Kellers Tätigkeit hat Kulturszene geprägt

«Seit 18 Jahren hat Heinz Keller das Kulturhaus mit einer Konstanz geleitet, die sich wohltuend abhebt von der Schnelllebigkeit unserer Zeit», schreibt Präsident Josef Nell in seinem Bericht. Keller sei es gelungen, während zwei Jahrzehnten ein Kulturhaus lebendig zu halten, sich auf Neues einzulassen, ohne das Bewährte zu negieren, junge Künstler zu begleiten und zu fördern und das Publikum im richtigen Mass zu befriedigen, wie auch herauszufordern. «Seine Tätigkeit hat die hiesige Kulturszene stark geprägt.» Mit der Wahl seines Nachfolgers verändere sich die Sicht auf die Zukunft des Theaterbetriebs, schreibt Heinz Keller im Bericht der Theaterleitung. «Es wird eine Freude sein, das Theater Uri in kompetente Hände zu geben», so Keller. «Es beginnt aber auch eine Phase des Übergangs und des Abschieds.»

Heinz Keller ist aber nicht der Einzige, der seinen Rücktritt angekündigt hat. Auch Josef Nell wird Adieu sagen: Er verlässt den Vorstand des Forums Theater Uri nach 12 Jahren, wovon er 6 Jahre lang Präsident war. «Die Arbeit im Vorstand hat mir Freude gemacht», schreibt er im Vorwort zum Jahresbericht. Ein grosses Lob spricht er den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Haus aus. Sieben Festangestellte teilen sich zurzeit 360 Stellenprozente. Zudem bietet das Theater Uri neu eine Lehrstelle an. Nehemia Bertschi hat die Lehre zum Veranstaltungsfachmann begonnen. In der Deutschschweiz werden für diesen Beruf gerade mal 15 Lehrstellen angeboten. Aus dem Vorstand ausgetreten ist auch Christian Holzgang. Neu in den Vorstand gewählt wurde Otto Bissig. Karin Aschwanden ist neu Mitarbeiterin an der Bar.

Leichtes Defizit prognostiziert

Die Rechnung schliesst mit einem Gewinn von rund 25 000 Franken, dies bei einem Gesamtaufwand von knapp 805 000 Franken. Zum positiven Abschluss führten unter anderem die erfolgreichen Dezembertage, die Vermietung an die Tellspielgesellschaft sowie die Eigenproduktion «Zwing Uri – Tell my ass», welche mit Stiftungsgeldern unterstützt wurde. Für das kommende Jahr ist ein Defizit von 31 000 Franken budgetiert.

Unterstützt wird das Theater Uri mit jährlichen Beiträgen von der Gemeinde Altdorf und dem Kanton. Im Mai 2017 hat nun der Landrat einer Erhöhung des jährlichen Beitrags auf 220 000 Franken zugestimmt, der ab 2018 Gültigkeit haben wird. Zudem erhält das Theater Geld von der Korporation sowie einigen Stiftungen und Spon­soren.

Mit dem vom Landrat gesprochenen Kredit von 878 500 Franken ist das Theater nun daran, bis 2019 schrittweise Sanierungen vorzunehmen. 2016 floss das Geld vor allem in eine zeitgemässe Ausrüstung für Bild und Ton. Zudem ist eine neue Bar entstanden, und eine moderne Schliessanlage wurde eingebaut.

Rückblickend erwähnt Theaterleiter Heinz Keller die Tellspiele 2016 als «prägnantes Ereignis». Dieses habe das Theater herausgefordert, sollte es doch auf der Bühne regnen. Hinzu kamen Lichteffekte und der bewegliche Orchestergraben.

Mit «Zwing Uri – Tell my ass» konnte mit einer Eigenproduktion auf Tournee gegangen werden, ebenso mit dem Live-Hörspiel «Indergand». Keller streicht in seinem Bericht von den über 70 Veranstaltungen besonders den «Kulturstreifzug» in Sisikon, «Die Hochzeit» (Bertold Brecht) von der Theatergruppe «Momänt & Co.» und die Show des Gospelchors Uri heraus.

Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch

Hinweis: Die Generalversammlung des Forums Theater Uri findet am Mittwoch, 25. Oktober, im Theater Uri statt. Im Anschluss spielt das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester in einer öffentlichen Veranstaltung im grossen Saal.


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