Rettungsdienst: «Grossaufgebot war gerechtfertigt»

ANDERMATT ⋅ 13 Ambulanzfahrzeuge und vier Helikopter wurden am Montag für 33 mehrheitlich leicht verletzte Personen zum Bahnhof Andermatt aufgeboten. Der Leiter des Rettungsdiensts des Kantonsspitals Uri erklärt, wieso es zu diesem Grossaufgebot kam.
12. September 2017, 20:53

Der Auffahrunfall im Bahnhof Andermatt vom Montag hat ein aussergewöhnlich grosses Aufgebot an Rettungskräften ausgelöst: 13 Ambulanzfahrzeuge aus verschiedenen Kantonen und vier Helikopter wurden nach Andermatt beordert.

Von den 100 Fahrgästen haben sich 33 Personen – darunter 18 Schüler – verletzt, 24 Personen mussten sich in Spitalpflege begeben. Dies allerdings nur kurzzeitig: Am Dienstagnachmittag befand sich noch ein Verletzter im Spital. «Aller Voraussicht nach kann auch diese Person das Spital noch im Verlaufe des heutigen Tages verlassen», schrieb die Kantonspolizei Uri am Dienstag in einer Medienmitteilung. Und auch die eingerichtete Hotline für Angehörige wurde wieder eingestellt. Damit ist der Unfall letztlich glimpflich verlaufen. Und es wird die Frage laut, ob es nötig war, so viele Ambulanzfahrzeuge und Helikopter aufzubieten. Für Dany Häfliger, Leiter des Rettungsdienstes des Kantonsspitals Uri, ist klar: «Das Grossaufgebot war gerechtfertigt.»

Welche Mittel nötig sind, entscheide der Rettungsdienst mittels festgelegter Massnahmenkaskaden, erklärt Häfliger. Bei einem sogenannten «Massenanfall von Verletzten» (Manv) werden verschiedene Stufen unterschieden, die mit unterschiedlichen Einsatzkonzepten hinterlegt sind. Bei 20 oder mehr Verletzten werde ein «Manv 20» ausgelöst. So auch am Montag. «Eigentlich wären standardmässig noch mehr Rettungsmittel aufgeboten worden», sagt Häfliger. «Da wir aber wussten, dass es vor allem Leichtverletzte gibt und man deshalb auch Doppeltransporte machen kann, wurde das Aufgebot leicht nach unten korrigiert.»

Den Vorwurf, das Aufgebot in Andermatt sei übertrieben gewesen, weist Häfliger deshalb zurück. «Im Gegenteil: Vor Ort hat sich gezeigt, dass wir eine Punktlandung gemacht haben. Ressourcen und Anforderungen haben übereingestimmt.» Zu bedenken sei auch der lange Weg nach Andermatt. «Hätte sich die Situation am Einsatzort schlimmer dargestellt, als es die ersten Meldungen vermuten liessen, hätte dies für die Patienten verheerende Folgen gehabt.»

Helikopter nicht nur für Schwerstverletzte

Häfliger ist erstaunt, dass vor allem der Einsatz der vier Helikopter für Aufsehen gesorgt hat. «Vielen denken, dass bei einem Helikoptereinsatz automatisch Schwerverletzte im Spiel sind. Dem ist aber mitnichten so.» Ein Helikopter sei ein gutes Transportmittel, wenn es darum geht, Patienten in überregionale Spitäler zu transportieren. «Da kann man die Verletzten innert kurzer Zeit befördern, während ein Ambulanzfahrzeug für denselben Weg stundenlang weg wäre.»

Dass die Verletzten in verschiedene Spitäler gebracht wurden, habe praktische Gründe, so Häfliger: Hätte man alle ins selbe Spital gebracht – etwa nach Altdorf –, hätten sie dort sehr lange Wartezeiten im Notfall auf sich nehmen müssen, und der Beginn der Therapie hätte sich stark verzögert. Stattdessen habe man ihnen so eine schnellstmögliche Behandlung ermöglicht.

 

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

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