Schächentaler Käse schmeckt besonders gut

SEEDORF ⋅ Der Alpkäsemarkt in der Rollhockey-Halle lockte wiederum Besucher aus der ganzen Schweiz an. Zudem erhielten Esther und Klaus Kempf das Prädikat für den besten Urner Alpkäse – und dies bereits zum zweiten Mal.
Aktualisiert: 
27.11.2017, 08:00
27. November 2017, 05:00

Der 13. Alpkäsemarkt in der Rollhockey-Halle in Seedorf am Samstag und Sonntag war erneut ein Publikumserfolg. 27 Älpler von verschiedenen Urner Alpen boten rund sechzig verschiedene Käsesorten an. Daneben präsentierten Gäste Urner Produkte wie etwa Fleischwaren, Filzprodukte, Wohlfühlprodukte, Wein und vieles mehr. Die urchige Atmosphäre wurde mit verschiedenen Ländlerformationen umrahmt.

Bereits am Samstagnachmittag fand nach dem Einmarsch der «Gitschä-Trychler» ein erster Höhepunkt statt: die Siegerehrung des Alpkäsewettbewerbs. Dazu erklärte Peter Arnold, Präsident der Alpkommission, dass jeder Käse durch eine dreiköpfige Jury und durch Konsumenten beurteilt worden sei – und zwar nach dem äusseren Erscheinungsbild, der Rinde, der Lochung und dem Geschmack. Die Kriterien wurden mit Noten von eins bis sechs bewertet, und die Punkte der Jury und der Konsumenten sind zu je 50 Prozent angerechnet worden.

Acht Älpler erhielten Auszeichnungen

Für Damian Gisler, Vorsteher Amt für Landwirtschaft, war es eine Ehre, die Siegerehrung vorzunehmen. Zuerst dankte Gisler allen Teilnehmenden, denn es brauche Mut, sich überhaupt diesem Wettbewerb zu stellen. Für einen guten Alpkäse benötige es einen guten Rohstoff, das Gras. «Die Urner Kuhalpen sind generell gutgräsig und bieten mit ihrer Artenvielfalt Gewähr für eine schmackhafte, gehaltreiche Milch. Durch eine exakte Arbeitsweise sorgen die Älpler dafür, dass sie den besten Rohstoff im Kessi haben», betonte Gisler.

Esther und Klaus Kempf von der Oberalp ob Unterschächen gewannen den Wettbewerb schliesslich nach 2015 bereits zum zweiten Mal. Sie stellen auf dem Unterstafel Urnerboden und auf der Oberalp mit Milch von 27 Kühen den beliebten Käse her. Für Klaus Kempf war der Sieg wieder eine grosse Wertschätzung: «Ich freue mich, dass unser Käse schon zum zweiten Mal gewonnen hat, nachdem ich bisher schon acht Diplome erhalten habe.» Kempf feierte überdies heuer seinen 60. Alpsommer. Zudem ist er seit seinem 20. Lebensjahr Käser. «Das gibt eine gewisse Erfahrung», sagte er. Einen grossen Teil des Käses kann er jeweils bei der Unterschächner Partnergemeinde Aesch im Kanton Basel-Landschaft am Weihnachtsmarkt verkaufen oder an Privatkunden. Bekannt wurde die Alp auch durch Esther Kempf, die in der Sendung «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche» mitmachte.

Der 2. Platz ging an Toni Horat von der Alpkäserei Sittlisalp. Dort werden von Juni bis Ende September jeden Tag 3500 Kilogramm Milch von 200 Kühen verarbeitet. Der drittbeste Käse kommt von der Alp Hinterfeld im Meiental. Dort stellt Käser Simon Pfäffli in der modern eingerichteten Käserei den «Meientaler» her. Daneben gab es noch Diplome für den Käse «z ‘Holzschuenis Oberalp» sowie jene Käsesorten von den Alpen Galtenebnet, Trogenalp, Spilau-Abedweid, Urwängi und Usser-Aebnet.

«Das hier ist ein Paradies für mich»

Ein Grossteil der Besucher waren Auswärtige aus der ganzen Schweiz. «Ich habe in einer Zeitschrift davon gelesen, und wir machten deshalb auf unserem Weg ins Tessin hier einen Zwischenhalt und mussten das nicht bereuen», sagte eine Zürcherin. «Es ist einfach wunderbar hier, vor allem die Stimmung. Selbstverständlich haben wir auch ein paar Stücke Alpkäse gekauft.» Und Sepp Schilter aus Flüelen sagte: «Ich bin ein richtiger Alpkäsefan und habe noch keinen Markt verpasst. Das hier ist wirklich ein Paradies für mich».

Der Markt ist aber nicht nur für die Besucher ein Highlight, sondern auch für die Älpler selber. Am Stand von Beat Arnold, der die Alp Bödmer am Klausenpass mit rund zwanzig Kühen bewirtschaftet, gab es nicht nur Käse zu kaufen, sondern man konnte auch Fondue probieren.

«Im nächsten Jahr werde ich voraussichtlich wieder auf der Alp Galtenebnet bei meinen Eltern sein, die dort von der Milch ihrer 25 Kühe Alpkäse, Mutschli, Schnittlauch-, Knoblauch-, Pfeffer- und Schimmelkäse verarbeiten», erklärte zudem der 23-jährige Markus Schuler. «Ich war schon seit meiner Kindheit immer auf der Alp, und die Arbeit in der Natur ist die schönste für mich, auch wenn es ab und zu etwas streng ist», so Schuler.

Gisler sorgt sich um die Zukunft des Alpkäses

«Die Alpkäseproduktion ist ein sehr gutes Beispiel für eine regionale Wertschöpfungskette», sagte Damian Gisler vom Amt für Landwirtschaft bei der Siegerehrung. Deshalb habe die Alpwirtschaft eine grosse Bedeutung für die Urner Landwirtschaft. «Für die Milch von den Alpen erzielen die Älpler einen einigermassen guten Preis.» Dies gelte jedoch nicht mehr für die Wintermilch oder das Fleisch. Deshalb sagte Gisler: «Bei den jetzigen Preisen für Industriemilch ist mittelfristig auch die Produktion von Alpkäse gefährdet. Denn wenn die Milchproduktion auf dem Heimbetrieb aufgegeben wird, fehlt irgendwann der kostbare Rohstoff für unseren Alpkäse.»

 

Paul Gwerder

redaktion@urnerzeitung.ch

  • An zahlreichen Ständen konnten die Gäste den feinen Alpkäse direkt vom Hersteller probieren und kaufen. (© Florian Arnold)
  • 27 Urner Älpler boten rund sechzig verschiedene Käsesorten an. (© Paul Gwerder)
  • Der 13. Alpkäsemarkt war erneut ein Publikumserfolg. (© Florian Arnold)

Der 13. Alpkäsemarkt fand am 25. und 26. November in der Rollhockey-Halle in Seedorf statt.

Video: Urner Alpkäsemarkt in Seedorf

Impressionen des Urner Alpkäsemarktes in Seedorf vom 25. und 26. November 2017. (Franz Imholz, 25./26.11.2017)




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