Sie bringt den Stier unter die Steinböcke

EXIL-URNERIN ⋅ Seit Februar dieses Jahres wohnt Patrizia Lanfranchi im Bündnerland. Mit dem Uristier-Aufkleber am Auto bringt sie ihre Heimatliebe zum Ausdruck.
07. Dezember 2017, 07:36

«Gian» und «Giachen» haben tierische Konkurrenz erhalten. Neben den kultigen Steinböcken, die landauf landab für das Bündnerland werben, buhlt nun ein weiteres gehörntes Tier um die Gunst der Bündner: der Uri- stier am Autoheck von Patrizia Lanfranchi.

Die gebürtige Urnerin hat im Februar dieses Jahres ihre Heimat verlassen und wohnt seither in Felsberg GR. Der Spender des Aufklebers ist gleichzeitig auch der Grund für den Wegzug aus Uri: ihr Ehemann. Obwohl die 38-Jährige der Liebe wegen aus ihrer Heimat wegzog, ist ihr der Schritt nicht leicht gefallen, wie sie sagt. «Ich vermisse meine Leute, die Umgebung, das Vertraute und den See», sagt sie. «Der Uristier am Auto gibt mir ein Stück dieser Heimat zurück.»

Hobbys und Beruf an den Nagel gehängt

Diese Aussage erstaunt wenig, wenn man bedenkt, wie sehr Lanfranchi im Kanton Uri verankert war – privat, beruflich, aber auch kulturell. Aufgewachsen in Altdorf, wohnte Patrizia Lanfranchi, damals noch Baumann, die letzten sieben Jahre in Erstfeld. Dort verpasste sie viereinhalb Jahre lang als Coiffeuse so mancher Kundin eine neue Frisur. Und in der Trachtengruppe Erstfeld gab sie auch selber eine gute Figur ab: zuerst beim Tanzen, dann beim Singen und zuletzt drei Jahre lang beim Theaterspielen. «Das hat mir echt viel Freude gemacht», sagt sie.

Dieses Hobby musste sie mit dem Wegzug ins Bünderland fürs Erste auf Eis legen. Zwar könne sie sich vorstellen, dereinst im Graubünden einer Theatergruppe beizutreten. «Ich muss aber erst schauen, wie sich das mit meiner Arbeit einpendelt», sagt sie.

Denn auch hier hat sich mit dem Kantonswechsel eine Veränderung ergeben: Lanfranchi ist von ihrem erlernten Beruf als Coiffeuse in den Verkauf umgestiegen. Bei allen Veränderungen, die ihr Wegzug aus Uri mit sich gebracht hat – etwas will sich Patrizia Lanfranchi bewahren: den Urner Dialekt. «Man darf ja schliesslich hören, woher ich komme.»

Neuer Wohnort erschwert regelmässige Besuche

Damit dies noch lange so bleibt, pflegt Patrizia Lanfranchi regen Kontakt zu ihrer Familie und Freunden in der Heimat. Weil ihr Wohnort Felsberg in der Nähe von Chur und deshalb «nicht grad um die Ecke» ist, ist die Exil-Urnerin nicht mehr sehr oft in Uri, freut sich aber über regelmässige Besuche ihrer Eltern.

Trotz ihres Heimwehs ist eine Rückkehr nach Uri kein Thema. Sie und ihr Mann hätten sich fürs Bündnerland entschieden, sagt sie – und fügt mit einem Lächeln an: «Wenn er dann plötzlich nach Uri will, würde ich aber schon nicht Nein sagen.»

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch


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