Luzerner Siebenkämpferin Géraldine Ruckstuhl gewinnt Sporthilfe-Nachwuchspreis

LEICHTATHLETIK ⋅ Die Luzerner Siebenkämpferin Géraldine Ruckstuhl aus Altbüron gewinnt den Sporthilfe-Nachwuchspreis. Für die Siegprämie hat die 20-jährige Luzerner Hinterländerin einen besonderen Verwendungszweck.
08. April 2018, 19:35

Die Freude stand der 20-Jährigen aus Altbüron ins Gesicht geschrieben. Géraldine Ruckstuhl gewann wohl die bedeutendste Auszeichnung, die eine Schweizer Nachwuchssportlerin gewinnen kann. Und das mit einem schönen Nebeneffekt. «Dieser Silberring freut mich unglaublich, er ist etwas, was ich später mit Stolz meinen Kindern und den Enkeln zeigen werde.» Dabei handelt es sich um ein Furrer-Jacot-Edelmodell mit eingraviertem Namen und dem Event im Wert von 7500 Franken.

Von grösserer Bedeutung ist derzeit aber der Siegerscheck über 12 000 Franken. «Ich möch­te bei mir zu Hause in Altbüron einen Kraftraum einrichten», verrät Ruckstuhl den Verwendungszweck. Denn derzeit muss sie rund eine Stunde Fahrtzeit einrechnen, um ins Krafttraining zu gelangen. Luzern, Bern oder Magglingen bieten sich dabei als Destinationen an. Dass sich Géraldine Ruckstuhl durchgesetzt hat, entspricht keiner Selbstverständlichkeit, auch wenn sie in der letzten Saison starke Leistungen ablieferte: Schweizer Rekorde im Siebenkampf und im Speerwerfen, Rang 2 an der U20-EM in Grosseto (ITA) und vor allem der 11. Rang an der Elite-WM in London. Dabei ist nicht zu vergessen: Sie hatte sich vor zwei Jahren beim Hürdentraining schwerste innere Verletzungen zugezogen, die ihre Karriere ernsthaft gefährdet hatten, sie ein Jahr Training kosteten.

Kontinuität trotz Umstellung

Ruckstuhl gewann souverän vor Simona Aebersold, der mehrfachen Juniorinnen-Weltmeisterin im OL, der Snowboarderin Berenice Wicki, der Golferin Albane Valenzuela und der Skirennfahrerin Katja Grossmann. Ermittelt wurde das Ranking durch eine Fachjury (40 Prozent), die Medien (40) und ein breites Publikumsvoting. In der 37 Jahre alten Geschichte ist Ruckstuhl nach Anita Weyermann (1994), Sabrina Altermatt (2004), Noemi Zbären (2012) und Caroline Agnou (2015) bereits die fünfte Leichtathletin, die den Nachwuchspreis gewinnt. Die Laudatio hielt Skirennfahrer Ramon Zenhäusern, der zweifache Medaillengewinner von Pyeongchang.

Géraldine Ruckstuhl besuchte bis Mitte März die Spitzensport-RS. Nun ist sie zurück im Alltag. Grosse Veränderungen in sportlicher Hinsicht gab es nicht. Sie kann auf dieselben Bezugspersonen zählen. So trägt Trainer Rolf Bättig weiterhin die Gesamtverantwortung. Einer Umstellung entspricht die Rückkehr in den zivilen Alltag dennoch. Weil Ruckstuhl aber zu ihrem einstigen Lehrbetrieb Swiss Krono in Menznau zurückkehrt, handelt es sich hier ebenfalls um eine Konstante. «Für mich ist das eine ideale Lösung», sagt die 20-Jährige, «ich kann Teilzeit arbeiten und verfüge so über grosse Fle­xibilität.» Letzteres bezeichnet Ruckstuhl als wichtigsten Faktor in ihrem Sportlerdasein.

Eine Saison, um Erfahrungen zu sammeln

Sportlich will Ruckstuhl den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen. Heisst konkret: sich weiter steigern und der internationalen Spitze weiter annähern. Und mit Caroline Agnou, der Hallenmeisterin und Hallen-WM-Teilnehmerin, verfügt sie in der Schweiz auch über eine valable Konkurrentin. Mit dem Rekord im Hallen-Fünfkampf im Februar hat die Luzerner Hinterländerin ihre Ambitionen angemeldet.

Das Wettkampfdebüt im Freien plant Géraldine Ruckstuhl am Samstag, 5. Mai, mit einem Vierkampf in Willisau. In der Mehrkampf-Hochburg Götzis (AUT) erfolgt der Auftakt im Siebenkampf Ende Mai. Saisonhöhepunkt ist die EM in Berlin Anfang August. «Da in diesem Jahr bei den U23 keine Titelkämpfe anstehen, kann ich ohne Druck antreten.» Wie gesagt: zum Sammeln von Erfahrungen ...

 

Jörg Greb

regionalsport@luzernerzeitung.ch


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