Fässlers Neubeginn in Le Mans

MOTORSPORT ⋅ Marcel Fässler (41) ist doch noch zu einem Startplatz an den 24-Stunden-Rennen in Le Mans gekommen. Der Schwyzer fährt in der Klasse GTE Pro für Corvette. Dabei werden Erinnerungen wach.
14. Juni 2017, 09:01

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

2011, 2012 und 2014 gewann Marcel Fässler aus Gross bei Einsiedeln zusammen mit seinen Audi-Teamkollegen das legendäre 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Seit dem Motorsport-Ausstieg des deutschen Herstellers Ende der vergangenen Saison fährt der Schweizer Audi-Pilot unter anderem vermehrt GT3-Rennen für Audi-Kundenteams. «In den letzten Jahren bin ich nebenbei immer solche Rennen gefahren, so konnte ich mich in der Szene etablieren», sagt der 41-jährige Profi.

Nachdem die Geschichte in der Spitzenklasse der 24 Stunden von Le Mans zu Ende ging, «ist vieles zurückgekommen», erzählt Fässler. Auch bei Audi, jener Marke, bei der Fässler immer noch unter Vertrag ist. «Es ist nicht selbstverständlich, dass mir von der Leitung die Freigabe für Corvette gegeben wurde. Das hat aber sicher auch damit zu tun, weil zwischen Audi und Corvette gute Beziehungen bestehen», ist sich Fässler bewusst. Er gibt zu: «Eigentlich hatte ich nicht mehr damit gerechnet, in diesem Jahr wieder in Le Mans am Start zu stehen.»

Als dann Fässler die Anfrage von Corvette, dem amerikanischen Sportwagenhersteller von General Motors, bekam, ist für den Schwyzer sofort klar gewesen: «Das ist cool und eine gute Sache. Ich kehre gerne nach Le Mans zurück.» Entgegen kommt Fässler auch, dass er in einer anderen Kategorie startet als bei seinen drei Le-Mans-Triumphen. Darum seien Vergleiche erst gar nicht möglich. «Für mich ist das quasi ein Le-Mans-Neubeginn.» 2009 fuhr Marcel Fässler schon einmal das legendäre Rennen mit einer Corvette. «Ich hatte am Morgen die Führung übernommen, ehe uns ein Getriebeschaden jäh stoppte. Nun versuche ich, das Entgangene von damals doch noch zu schaffen.»

Allerdings ist die Konkurrenz auch in der GTE-Pro-Klasse, in der Fässler jetzt startet, gross: Neben Corvette werden Ferrari, Porsche, Aston Martin und Ford um den Titel fahren. «Zwölf Autos kommen für den Klassensieg in Frage, aber wir haben dank unserem guten Team die Chance, es zu packen. Das wird ein tolles Rennen», zeigt sich Fässler überzeugt.

Der Vater von vier Töchtern geht gut vorbereitet nach Frankreich. «Vor kurzem habe ich mit Corvette in den USA für Le Mans getestet, zuletzt sass ich im Simulator. Grundsätzlich bin ich als Berufsrennfahrer nicht weniger unterwegs als in den letzten Jahren.» Einzig der Wechsel vom Le-Mans-Prototyp zu den seriennahen GT-Sportwagen hatte ihm zu Beginn mehr Mühe als erwartet bereitet. «Das ist, wie wenn ein Skirennfahrer von der Abfahrt auf Slalom wechselt», erklärt Fässler.

Schweizer Nationalheld auf dem Helm

Er ist deshalb froh, konnte er im letzten Rennen eine klar aufsteigende Form erkennen lassen. «Ich gehöre wieder zu den Schnellsten.» Dass Fässler keiner ist, der rasch aufgibt, zeigt auch sein Helm, auf dem hinten Wilhelm Tell und das Logo von Fässlers Homepage mfspeed.ch zu sehen sind. «Für mich steht Tell für einen stolzen Schweizer, der ich bin, und er symbolisiert den grossen Kampfgeist unseres Nationalhelden», sagt der Zentralschweizer.

Neben Marcel Fässler halten auch Vorjahressieger Neel Jani mit Porsche und Formel-E-­Gesamtleader Sébastien Buemi für Toyota in der Hauptklasse die Schweizer Farben hoch.

Hinweis

Eurosport und Eurosport 2 berichten ab Samstag, 15 Uhr, live aus Le Mans.


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