Klar gegen Bistum Urschweiz

LANDESKIRCHE ⋅ Von einem Bistum Urschweiz will die Landeskirche Uri aus finan­ziellen Gründen nichts wissen. Nun hofft man auf einen liberaleren Wind aus Chur.
16. Juni 2016, 00:00

Urs Hanhart

An der gestrigen Versammlung des Grossen Landeskirchenrates der Römisch-Katholischen Landeskirche in Altdorf stand ein bevorstehendes Jubiläum im Zentrum. 2017 wird mit verschiedenen Anlässen, Veranstaltungen und Projekten der 600. Geburtstag des Schweizer Nationalheiligen Niklaus von Flüe gefeiert. Um dieser sowohl kirchlich als auch politisch sehr einflussreichen Persönlichkeit zu gedenken, haben sich in Obwalden Staat und Kirche zum Trägerverein «600 Jahre Niklaus von Flüe» zusammengeschlossen. Die Kosten für die Jubiläumsfeierlichkeiten belaufen sich auf rund 3 Millionen Franken. Die Landeskirche Uri beteiligt sich mit einem Beitrag von 5000 Franken daran. Gestern wurde der Nachtragskredit einstimmig gutgeheissen. Dies im Anschluss an ein längeres Referat von Beat Hug, Sarnen, Gesamtleiter des Projekts «Mehr Ranft – Niklaus von Flüe 1417–2017» amtet. Er wies darauf hin, dass Bruder Klaus in weiten Teilen der Bevölkerung noch immer hoch verehrt werde, so auch in Uri.

Gewinn statt Defizit

Einstimmig abgesegnet wurde auch die Jahresrechnung 2015. Diese schliesst mit einem Aufwandüberschuss von 3000 Franken ab. Veranschlagt war ein Verlust von 8100 Franken. Zustande kam dieses Ergebnis aus 7500 Franken tieferen Ausgaben und 2700 Franken tieferen Einnahmen als im Budget vorgesehen. Bessere Zahlen als erwartet verzeichneten die drei Kostenstellen Verwaltung, Jugendseelsorge und Fremdsprachigen-Seelsorge. Die Kostenstelle Katechese hingegen schloss schlechter ab als veranschlagt. Das Eigenkapital der Landeskirche Uri belief sich per Ende 2015 auf rund 234 000 Franken.

Bistum Urschweiz unrealistisch

Thematisiert wurde gestern auch die sogenannte «Duale Herbstreflexion», die im November 2015 in Zürich stattfand. Bei diesem Treffen sassen Bischof Vitus Huonder und die Bistumsleitung mit den Präsidenten der kantonalen staatskirchlichen Körperschaften einen Tag lang an einem Tisch und sprachen über aktuelle Fragen rund um das Bistum Chur. Unter anderem stand die Frage der Loslösung Zürichs vom Bistum zur Diskussion. «Mit Ausnahme Zürichs sprachen sich sämtliche Landeskirchen gegen ein eigenes Bistum Zürich aus, bevor nicht geklärt ist, wie das restliche Bistum aussehen soll und welche Folgen eine Neuregelung des Bistums für die anderen Kantone hat», erklärte Stefan Fryberg, Präsident des Kleinen Landeskirchenrats Uri. Er geht davon aus, dass dieses Thema vorläufig vom Tisch ist.

Im Weiteren wies Fryberg darauf hin, dass Bischof Huonder die Möglichkeit in den Raum gestellt habe, ein eigenes Bistum Urschweiz mit den Kantonen Uri, Schwyz sowie Ob- und Nidwalden zu schaffen. Davon hält Fryberg jedoch gar nichts, und zwar aus folgendem Grund: «Finanziell wäre das eine Katastrophe. Man müsste mit Kosten von etwa 100 Millionen Franken rechnen.»

Administrator statt Bischof

2017 wird der bis dann 75-jährige Churer Bischof voraussichtlich altershalber abtreten. Fryberg machte klar, dass die Landeskirchen zur Nachfolge kaum etwas zu sagen haben. Dennoch seien im Hintergrund Bemühungen am Laufen, darauf hinzuwirken, dass Rom nach Huonder zuerst einen liberal gesinnten Administrator einsetzt, der wieder Ruhe ins Bistum bringt. Es bestünden durchaus Chancen, dass dies so geschehe.

Zum Schluss gab Fryberg bekannt, dass er für keine weitere Amtszeit als Präsident des Kleinen Landeskirchenrates zur Verfügung steht. Zurücktreten werden auch Verwalterin Frieda Biedermann und Ernst Walker, Verantwortlicher für den Bereich Seelsorge. Vizepräsident Gunthard Orglmeister hat sich bereit erklärt, die Nachfolge von Fryberg anzutreten, «sofern sich kein anderer zur Verfügung stellt». Die Wahlen für den Kleinen Landeskirchenrat finden im November an der nächsten Versammlung statt. Gewichtige Demissionen wird es auch im Grossen Landeskirchenrat geben. Neben Präsident Hans Gisler tritt auch der bisherige Vizepräsident Hermann Epp ab.


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