Rundgang erinnert an Pioniere

GÖSCHENEN ⋅ Ein neuer Lehrpfad soll vermehrt Gäste ins Dorf locken. Er entführt unter anderem in die Welt von Tunnelbauern und Heldentaten.
31. Mai 2016, 00:00

Urs Hanhart

Das Dorf Göschenen stand in der Vergangenheit schon mehrfach im Brennpunkt des Interesses. Meilensteine waren der Bau des Gotthard-Bahntunnels (1872 bis 1882) und dann rund hundert Jahre später die Erstellung des Gotthard-Strassentunnels. Das kleine Bergdorf hat eine bewegte und spannende Geschichte hinter sich. Von diesem Auf und Ab handelt der neue Rundgang mit dem Titel «Gotthardtunneldorf», der gestern eröffnet worden ist. Er umfasst insgesamt 14 Stationen. Startpunkt ist der 1881 eingeweihte, altehrwürdige Bahnhof mit seinem historischen Bahnhofbuffet. Von dort führt der Rundgang zum eigentlichen Highlight, hinüber in den nahe gelegenen so genannten Visierstollen, der seinerzeit bei der Vermessung des Eisenbahntunnels eine entscheidende Rolle spielte. Den Besuchern wird in diesem Stollen eine spektakuläre Show mit Ton- und Lichteffekten geboten. Die Tunnelschau «Quattro, tre, duo, uno – Tuut», in deren Zentrum eine Installation des Künstlers und Gestalters Roland Heini steht, veranschaulicht sehr eindrücklich, wie früher Tunnels gebohrt worden sind. Weitere Stationen auf dem neuen Lehrpfad sind unter anderem die alte Zollbrücke von 1500, das Kraftwerk Göschenen, der Friedhof, wo sich ein Denkmal für die Todesopfer des Tunnelbaus befindet, und das Brückenmuseum.

«Von Geschichte umgeben»

Den Rundgang realisiert hat der Luzerner Historiker und Museologe Kilian T. Elsasser, dessen Zweitwohnsitz sich in Göschenen befindet. Er zeichnete auch als Projektleiter verantwortlich. «Hier in Göschenen ist man von Geschichte umgeben. Man stolpert sozusagen darüber», erklärte Elsasser an der gestrigen Eröffnung seine Faszination für das Urner Bergdorf. Dem professionellen Museumsgestalter ist es ein Anliegen, auch die Öffentlichkeit an dieser Geschichte teilhaben zu lassen. «Vielen Göschenern ist kaum bewusst, wie einzigartig die Geschichte ihres Dorfes ist – und den Besuchern erst recht nicht», so Elsasser. Die Kosten für die neue Attraktion belaufen sich auf 95 000 Franken. Zur Finanzierung beigetragen haben, nebst verschiedenen Stiftungen und Sponsoren, auch die Standortgemeinde, der Kanton und Andermatt Tourismus. Die Schweizer Berghilfe steuerte 15 000 Franken zum Projekt bei.

«Mit diesem Rundgang haben wir eine einzigartige Attraktion geschaffen. Er lädt zum Verweilen ein und ist auch Ausgangspunkt für weitere Aktivitäten im schönen Urner Oberland», sagte Göschenens Gemeindepräsident Felix Cavaletti, «Zudem soll er die Wirtschaft vor Ort stärken und unserer Bevölkerung zeigen, dass sie stolz sein darf auf ihr Dorf und dessen Geschichte. Dieser Rundgang soll nachhaltig sein. Er ist modular aufgebaut, damit er später allenfalls durch neue Stationen erweitert werden kann.» Regierungsrat Urban Camenzind bezeichnete den neuen Lehrpfad als «wertvollen Baustein in der Angebotskette im Raum Gotthard». Er leiste einen Beitrag zur wirtschaftlichen Stärkung des oberen Reusstals. «Ich hoffe, dass diese neue Attraktion mehr Touristen nach Göschenen lockt und dieses Dorf nicht nur zum Umsteigen, sondern vermehrt auch zum Verweilen und Konsumieren genutzt wird», so der Volkswirtschaftsdirektor.

Gratis-Broschüre erhältlich

Der Rundgang «Gotthardtunneldorf» ist von Mai bis Oktober geöffnet. Besucher können im Bahnhof oder im Gemeindehaus gratis eine Broschüre beziehen, die Geschichte und Geschichten von 14 interessanten Punkten im Dorf erläutert, und sich selbstständig auf Erkundungstour machen.


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