Leserbrief
Ausbau scheiterte bislang an der bürgerlichen Verweigerung

«Stiftung kündigt allen Mietenden», Ausgabe vom 29. Dezember

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Um den Betrieb eines Frauenhauses in Zug zu sichern, nimmt die Trägerstiftung auf ihren Renditeliegenschaften Mietaufschläge von bis zu 100 Prozent vor. Sie macht geltend, dass sie von der öffentlichen Hand nicht mit Grundbeiträgen unterstützt werde. Das sind die Zustände, welche die Zuger Regierungsparteien verantworten. Wo aber das Erfüllen gesellschaftlicher Kernaufträge durch Stiftungen über Anti-Mittelstand-Mieten finanziert wird, läuft manches zum Nachteil der Mehrheit.

Die herausfordernde Lage von Frauenhäusern und ihnen ähnlicher Einrichtungen ist in der Schweiz seit Jahrzehnten bekannt. Wiederholt wurde angeregt, die öffentliche Unterstützung auszubauen. Es scheiterte an bürgerlichen Verweigerungen. Letztes Jahr empfahl die Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und -direktoren, an Frauenhäuser Sockelbeiträge zu sprechen, um ihre Finanzierungs- und Planungssicherheit zu verbessern.

Dem Zuger Regierungsrat sollte das zu denken geben, weil die dieser Empfehlung zu Grunde liegende Situationsanalyse dem Kanton Zug keinen Ruhmesplatz zuweist. Laut Analyse geltet der Kanton der hiesigen «Herberge für Frauen» Kosten nur subjektorientiert ab, d.h. er bezahlt die geleistete Betreuung von Betroffenen. Das ist die für solche Einrichtungen undankbarste Form der Finanzierung. Denn in solchen Fällen hängen der Weiterbetrieb und der Erhalt des Personals samt dessen Know-hows von der Belegung der Zimmer sowie der Akquise sonstiger Mittel ab. Wenig verwunderlich also, dass gemäss derselben Analyse die Zuger Einrichtung zur schweizweiten Spitzengruppe in Sachen Abhängigkeit von privaten Spenden und Einnahmen gehört. Was das konkret bedeutet, sehen wir nun. Die Zurückhaltung bei der Alimentierung der Opferhilfe-Infrastruktur begreift kaum, wer die Parolen der drei Zuger Regierungsparteien – Familie! Lebensqualität! Sicherheit! – für bare Münze nimmt.

Andrej Markovic, Vorstand SP Stadt Zug, Zug