Kommentar «Chefsache»
Immerhin, beim FCL wird wieder geredet

Erstmals seit Ausbruch des grossen Aktionärsstreits beim FC Luzern hat Bernhard Alpstaeg mit Fan-Vertretern das Gespräch gesucht. Diese boten ihm ein halbe Million Franken für ein Aktienpaket. Trotz Angeboten: Die Ausgangslage im Machtkampf ist nicht einfacher geworden. Aber wenigstens ist die Hoffnung auf Tauwetter geweckt.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
Jérôme Martinu, Chefredaktor
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FCL-Aktionär Bernhard Alpstaeg, hier im Gespräch mit unserer Zeitung im Hotel Schweizerhof in Luzern, hat nun erstmals seit dem Ausbruch des Aktionärsstreits mit einer Gruppe von Fan-Vertretern geredet.

FCL-Aktionär Bernhard Alpstaeg, hier im Gespräch mit unserer Zeitung im Hotel Schweizerhof in Luzern, hat nun erstmals seit dem Ausbruch des Aktionärsstreits mit einer Gruppe von Fan-Vertretern geredet.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 9. Januar 2023)

«Die Fans sind neben der Mannschaft und den Geldgebern die wichtigste Säule des Vereins. Deshalb sind sie für uns wichtig.» So hat Bernhard Alpstaegs neuer Kommunikationsberater erklärt, warum sich der vormalige FCL-Mehrheitsaktionär in diesen Tagen erstmals mit den Fans zu einer Aussprache getroffen hat. Alpstaegs Erkenntnis kommt bestimmt nicht zu früh, er hatte das wohl lange unterschätzt.

Eindrücklich zu sehen war die Mobilisierungskraft der Fanbewegung «Zäme meh als 52 Prozänt», die innert wenigen Tagen über 19 000 Stimmen sammelte. Und sie hat mit einer gross angelegten – von FCL-Vertrauten mit Dokumenten unterfütterten – Adventskalender-Kampagne gegen Alpstaeg Stimmung gemacht. Ein weiteres Indiz für die breite Verankerung der FCL-Supporter in der Bevölkerung ist die jüngst publizierte Auswertung unserer Zeitung, woher die fast 6500 Saisonkartenbesitzerinnen und -besitzer stammen: Aus der ganzen Zentralschweiz.

In der Sache ist die Ausgangslage im Aktionärsstreit trotz nun offensiver Kommunikationsstrategie von Bernhard Alpstaeg nicht einfacher geworden. Die Fanbewegung fordert ein Mitspracherecht, will Aktien halten. Das Fan-Angebot zum Preis von 500'000 Franken für die Stierli-Aktien ist gut gemeint, aber auch etwas naiv. Das Paket ist 25 Prozent schwer. Wie stellen sich die Fans das vor mit einer «breiten Streuung»? Sind sie sich bewusst, dass beim FCL substanzielle Anteilseigner für das Stopfen von Defiziten verantwortlich sind? So einfach ist es also nicht.

Es geht Alpstaeg sowieso nicht um die halbe Million, die ihm – je nach Verlauf des (Rechts-)Streits – verlustig gehen könnte. Er will die (knappe) Aktienmehrheit zurück, weil er weiterhin das Sagen haben will. Punkt. Das hat er jüngst im Gespräch mit unserer Zeitung mit seinem Angebot an den Verwaltungsrat bekräftigt: Gebt mir die Stierli-Aktien retour, so dass ich wieder 52 Prozent habe, erst dann verhandle ich mit euch. Die FCL-Führung wiederum hat an einer Rückgabe derzeit null Interesse.

Trotzdem ist die Hoffnung auf Tauwetter grösser als auch schon. Man redet inzwischen zumindest wieder miteinander, wenigstens an einigen Fronten. Und das erstmals seit Monaten.