Abschussverfügung
Nach 13 gerissenen Schafen: Kanton Uri gibt Wolf zum Abschuss frei

Nachdem ein Wolf seit Anfang Juli auf drei Alpen im Urner Oberland mehrere Schafe gerissen hat, gibt ihn die Sicherheitsdirektion des Kantons Uri zum Abschuss frei.

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Ein Wolf hat in den vergangenen Wochen 13 Schafe gerissen.

Ein Wolf hat in den vergangenen Wochen 13 Schafe gerissen.

Symbolbild: Romano Cuonz (Goldau, 16. Oktober 2019)

Die Sicherheitsdirektion des Kantons Uri hat am 20. August eine Abschussverfügung für einen schadenstiftenden Wolf erlassen, nachdem die Schadensschwelle gemäss Bundesrecht erreicht worden sei. Das teilt die Direktion in einer Medienmitteilung mit. Die Verfügung gilt für 60 Tage.

Der Grund für die Verfügung: Seit April 2022 habe es verschiedene Hinweise auf Einzelwolfpräsenz im Urner Oberland gegeben, schreibt die Direktion. Zwischen dem 3. Juli und dem 17. August wurden in drei Schafalpen des Projektgebietes «Alpkonzept Oberes Reusstal» insgesamt 13 Schafe vom Wolf gerissen.

Weitere Übergriffe erwartet

Die Kantone können zur Verhütung von Wildschäden gemäss eidgenössischer Jagdgesetzgebung jederzeit Massnahmen gegen einzelne geschützte Tiere, die erheblichen Schaden anrichten, anordnen, erklärt die Sicherheitsdirektion. Ein erheblicher Schaden an Nutztieren durch einen einzelnen Wolf liege dabei vor, wenn in seinem Streifgebiet innert vier Monaten mindestens zehn Nutztiere getötet werden – dies nachdem früher bereits Schäden durch Wölfe zu verzeichnen waren. Die Herden müssen jedoch geschützt oder nicht zumutbar schützbar sein.

Die Sicherheitsdirektion rechnet damit, dass es im übrigen Projektgebiet zu weiteren Übergriffen kommen wird. Deshalb habe man den Abschuss des Wolfs verfügt. Der Abschussperimeter entspreche dem «Alpkonzeptgebiet Oberes Reusstal». Nicht erlegt werden darf der Wolf darum im Gebiet des eidgenössischen Jagdbanngebiets Fellital. Für den Vollzug der Abschussverfügung ist die Abteilung Jagd des Amts für Forst und Jagd zuständig. Mit dem Abschuss werden primär die kantonalen Organe der Wildhut und allenfalls speziell bezeichnete Jäger beauftragt.

Erste Abschussverfügung: Wolf konnte nicht erlegt werden

Bereits früher war es im selben Gebiet zu Rissen gekommen. Die Sicherheitsdirektion hatte am 31. Mai 2022 eine Abschussverfügung für einen schadenstiftenden Wolf erlassen, nachdem die notwendige Schadensschwelle erreicht worden war. Wie Jagdverwalter Josef Walker auf Anfrage ausführt, könne zurzeit nicht beantwortet werden, ob es sich um den selben Wolf handelt: «Die DNA-Resultate der jüngsten Risse sind noch ausstehend.»

Die erste Abschussverfügung war gemäss Bundesrecht 60 Tage - also bis zum 31. Juli 2022 - befristet. Der Wolf konnte aber bisher nicht erlegt werden. «Es gab zwar einzelne Wolfnachweise, wie beispielsweise Risse oder Sichtbeobachtungen», so Josef Walker. Entsprechend habe man dann versucht, an diesen Orten den schadenstiftenden Wolf zu erlegen. «Der Wolf kam jedoch nie an die Stellen zurück, an denen wir die Nachweise hatten.» Daneben habe die Wildhut selbstverständlich ein besonderes Augenmerk auf die Wolfpräsenz im Abschussperimetergebiet gehabt. «Trotz grosser Anstrengungen der mit dem Vollzug beauftragten Organe konnte die Verfügung nicht vollzogen werden.» (tos/MZ)