Altdorf
Haus für Kunst Uri: So hat sich die Stadt im Museum verändert

Nach einem Umbau ist nun der zweite Teil der Ausstellung von Aldo Mozzini im Haus für Kunst Uri zu sehen. Dabei gibt es in der fiktiv-künstlerischen Stadt viel Neues zu entdecken. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler sind daran beteiligt.

Markus Zwyssig
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Aldo Mozzini hat zusammen mit Oppy De Bernardo den Danioth Pavillon im Haus für Kunst Uri zu einem Bridge-Club mit schummrigem Rot-Licht und Stehtischen umgewandelt.

Aldo Mozzini hat zusammen mit Oppy De Bernardo den Danioth Pavillon im Haus für Kunst Uri zu einem Bridge-Club mit schummrigem Rot-Licht und Stehtischen umgewandelt.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 9. September 2021)

Die Idee, einmal in einem Kunsthaus eine ganze Stadt entstehen zu lassen, hat Aldo Mozzini schon seit geraumer Zeit mit sich herumgetragen. Bei Barbara Zürcher, Direktorin im Haus für Kunst Uri, stiess er auf offene Ohren. Nach der Sommerausstellung «Die Stadt im Museum – Part I» folgt nun die Herbstausstellung «Part II». Kurz vor der offiziellen Eröffnung am Samstag bot sich auf einem Presserundgang Gelegenheit, mit dem Künstler und der Direktorin durch die Ausstellung zu flanieren.

Eine Stadt im Museum zu bauen, bezeichnet Barbara Zürcher als kühne Idee:

«Noch nie stand einem Künstler das Haus für zwei Ausstellungen nacheinander zur Verfügung.»

Auch für Aldo Mozzini ist es eine Premiere, zweimal hintereinander ein ganzes Kunsthaus zu bespielen.

Aldo Mozzini mit der nachdenklich stimmenden Dokumentation von Oppy De Bernardo über ein Unwetter von 1978 in Locarno.

Aldo Mozzini mit der nachdenklich stimmenden Dokumentation von Oppy De Bernardo über ein Unwetter von 1978 in Locarno.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 9. September 2021)

Film von arttv.ch gibt Einblick in «Part I» und die Umwandlung in «Part II»

Im Eingangsbereich kann man sich auf die aktuelle Ausstellung einstimmen. Es werden ein Bistro, Läden und Take-aways angedeutet, wie man sie irgendwo auf der Welt finden kann. Wer Platz nimmt auf einer von Aldo Mozzini geschaffenen, improvisierten Sitzgelegenheit, kann sich im Homekino den rund achtminütigen Film der Kulturplattform arttv.ch ansehen. Dieser gibt Einblick in «Part I» und die Umwandlung in «Part II» der Stadt im Museum. Realisiert werden konnte der Film mit Unterstützung der Dätwyler Stiftung.

Nachdenklich stimmt im Foyer eine fotografische Dokumentation von Oppy De Bernardo, welche die Verwüstungen nach dem verheerenden Hochwasser 1978 durch die Maggia in Locarno eindrücklich zeigt. Zusammengearbeitet mit dem Künstlerkollegen hat Aldo Mozzini für den Bridge-Club im Danioth Pavillon. Die Leuchtschrift De Bernardos mit dem schummrigen Rotlicht im dunklen Raum hat Mozzini mit einer Gruppe von Stehtischen ergänzt.

Verschiedene Dinge von «Part I» bleiben zum Teil auch in der aktuellen Ausstellung erhalten, wurden aber umgestaltet und umgenutzt. Das soll den Wandel und die Dynamik in der Stadt aufzeigen. Der Künstler ist ganz begeistert vom Haus:

«Das Tolle am Haus für Kunst Uri ist,
dass jeder Raum einen anderen
Charakter hat.»

Ideen entstehen bei Aldo Mozzini, indem er lange mit seinem angesammelten Material zu tun hat. Manchmal dauert es 20 Jahre. Die farbigen Lappen aus den Tiefdruckkursen der Zürcher Hochschule der Künste, an der Mozzini als Dozent tätig ist, dienen ihm jetzt als Bedachung für das Bistro im Eingangsbereich.

Hinter einem Viadukt lädt der Künstler Markus Kummer zu einer Partie Pétanque ein. Das Werk mit dem Titel «Le moment tourne la boule la boule tourne le moment» wird erst durch Spielerinnen und Spieler aktiviert. Die Kugeln geben ihre Farbe ab und werden den Kies auf dem Boden verändern. Während der Ausstellungszeit sollen im Innen- und Aussenraum des Kunsthauses verschiedene Pétanque-Partien stattfinden.

Im sogenannten Salon des Hauses sind Porträtbilder von Andrea Muheim sowie von Heinrich Danioth zu sehen.

Im sogenannten Salon des Hauses sind Porträtbilder von Andrea Muheim sowie von Heinrich Danioth zu sehen.

Bild: Urs Hanhart (9. September 2021)

Mozzini hat zahlreiche Künstler in seine Stadt eingeladen: Neben Oppy De Bernardo und Markus Kummer sind es Marie-Cathérine Lienert, Andrea Muheim, Thomas Sieber und Jemma Wolf. Diese bereichern die Stadt mit ihren Arbeiten. Zu sehen sind im sogenannten Salon im ersten Stock des Hauses auch Bilder von Heinrich Danioth. Dabei zeigt sich die Aktualität der Arbeiten des verstorbenen Urner Künstlers. Seine Bilder reihen sich bestens ein neben die Porträts, die Andrea Muheim von Urnerinnen und Urnern und Freundinnen und Freunden des Hauses gemalt hat.

Der 65-jährige Aldo Mozzini lebt und arbeitet in Zürich und Bellinzona. Bei seinen Installationen, Objekten und Zeichnungen geht es oft um urbane Situationen und städtebauliche Themen. So ist vor mittlerweile 43 Jahren eine damals noch in Super 8 gedrehte Animation zu sehen. Mozzini hat eine Stadt im Schnee gebaut, deren Architekturen langsam verschmelzen. Die frühe Arbeit des Künstlers ist im Dachstock zu sehen. Mozzini bezeichnet diesen als Denkraum. Zu sehen ist auch sein Modell für die Ausstellung. Marie-Cathérine Lienert, bildende Künstlerin aus Obwalden, lädt die Betrachterinnen und Betrachter dazu ein, durch die Strassen New Yorks zu wandern. Der Kulturwissenschaftler Thomas Sieber zeigt in einer Vitrine seine Spurensuche zu Denkmälern, Geistern und zur Geschichte.

Totenschädel erinnern an die vielen Namenlosen, die auf dem Weg über das Mittelmeer ihr Leben verloren haben.

Totenschädel erinnern an die vielen Namenlosen, die auf dem Weg über das Mittelmeer ihr Leben verloren haben.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 9. September 2021)

Mozzinis Behausungen spielen stets mit der Erinnerung und der Vergänglichkeit. Auch der Tod wird in der neuen Ausstellung nicht ausgeklammert. De Bernardos Arbeit mit den Totenschädeln im Plastikschwimmbecken etwa soll ein Denkmal für die vielen Namenlosen sein, die auf dem Weg über das Mittelmeer ihr Leben lassen mussten. Mozzini hat den Blumenladen und die Hütte aus «Part I» zu einem Mausoleum umgezimmert. Zwei «Hunde» haben im Innern der Behausung ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Schriftstellerin Julia Weber hat im Vorfeld ebenfalls die Ausstellung besucht. In sieben Audiostationen hat sie festgehalten, was sie in der fiktiv-künstlerischen Stadt wahrgenommen hat. Dieser Guide, der nun durch die Ausstellung führt respektive den Einstieg in Mozzinis Welt erleichtern soll, entstand in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Zentralschweiz.

Hinweis: Die Ausstellung «Die Stadt im Museum – Part II» feiert am Samstag, 11. September, um 17 Uhr, Vernissage und dauert bis zum 21. November.