Aufforstung
Das Urserntal soll waldreicher werden

Ein kürzlich gegründeter Verein will im Urserntal ein Aufforstungsprojekt realisieren. Bereits im nächsten Jahr soll es losgehen.

Urs Hanhart
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Alt Nationalrätin Gabi Huber präsidiert den Verein Wald und Klima Ursern.

Alt Nationalrätin Gabi Huber präsidiert den Verein Wald und Klima Ursern.

Bild: Urs Hanhart (Andermatt,
18. November 2021)

Wälder sind in der drei Gemeinden umfassenden Talschaft ein sehr rares Gut. Nur gerade 0,9 Prozent der Fläche des Urserntals besteht aus Hochwald, dem eine wichtige Bedeutung als Schutz vor Naturgefahren zukommt. Weitere 5,1 Prozent sind Gebüschwald. Insgesamt beträgt die Waldfläche also nur 6 Prozent. Der Rest des Tals ist unbewaldet. Das will der im Mai dieses Jahres aus der Taufe gehobene Verein Wald und Klima Ursern in Zusammenarbeit mit der Korporation Ursern, dem Forstrevier Uri Süd sowie dem Amt für Forst und Jagd des Kantons Uri nun ändern.

Der Vereinsvorstand, dem nebst Einheimischen auch Persönlichkeiten mit besonderem Bezug zum Urserntal angehören, wird von alt Nationalrätin Gabi Huber präsidiert. An einer am Donnerstag in Andermatt abgehaltenen Informationsveranstaltung betonte sie: «Die Verbundenheit zum Urserntal und seiner wild rauen Natur hat uns, eine Gruppe von Personen aus unterschiedlichen Berufen und Landesteilen, zusammengeführt. Gemeinsam sind wir bestrebt, Teile des unterdurchschnittlich bewaldeten Hochtals aufzuforsten, um das Landschaftsbild aufzuwerten, einen Beitrag zu einer CO2-neutralen Gesellschaft zu leisten und das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie jeder Einzelne sich gegen den Klimawandel einsetzen kann.»

55 Hektaren sollen über mehrere Jahre hinweg bepflanzt werden

Der Verein ist mit der Korporation Ursern als grösste Grundeigentümerin im Tal eine langfristige Kooperation eingegangen. Grundlage für das Aufforstungsvorhaben bildet eine im Auftrag der kantonalen Fachbehörden erstellte Projektstudie «Aufforstung Urserntal» vom Dezember 2020. Die ausgewiesene Fläche umfasst rund 55 Hektaren, die in Etappen über mehrere Jahre bepflanzt und sich im Laufe der Zeit zu Waldflächen entwickeln soll.

Das Projekt wird im Feld durch das Forstrevier Süd umgesetzt, wobei die Finanzierung über Spendengelder erfolgt, welche der Verein sammelt. Die Korporation Ursern hat die Bauherrschaft inne und das Amt für Forst und Jagd zeigt für die fachliche Begleitung verantwortlich.

Leuchtturmprojekt in Realp

Kantonsforstmeister Beat Annen wies in seinem Referat darauf hin, dass das Finden von geeigneten Aufforstungsflächen eine grosse Herausforderung gewesen sei. «Ganz entscheidend ist die Lawinensituation. Zudem dürfen die Aufforstungen nicht in Konkurrenz kommen zu alpwirtschaftlich wertvollen Flächen. Zudem muss das Ganze mit einigermassen vernünftigem Aufwand realisiert werden können», erklärte er. Die erwähnten 55 Hektaren verteilen sich auf neun Gebiete. So soll beispielsweise der oberhalb von Andermatt gelegene Gurschenwald vergrössert werden. In Hospental ist am Winterhorn im Bereich «das tote Ross» eine Erweiterung der Waldfläche geplant. Auch in Realp soll aufgeforstet werden, und zwar unterhalb des bestehenden Bannwalds. «Das könnte zum Leuchtturmprojekt für den Verein werden, weil es gut sichtbar sein wird», sagte der höchste Urner Förster.

Im Gurschenwald wird mit dem Projekt gestartet.

Im Gurschenwald wird mit dem Projekt gestartet.

Bild: Urs Hanhart (Andermatt,
18. November 2021)

Die Aufforstung in Hochgebirgslagen gilt aufgrund des rauen Klimas als sehr anspruchsvoll. Handelt es sich nicht um Ergänzungspflanzungen, sondern um Aufforstungsgebiete, erfolgt die Bepflanzung der Bäume in einer Rottenstruktur. Daraus können sich gemäss Annen langfristig stabile Wälder bilden. Wo es notwendig ist, werden vor der Pflanzung Dreibeinstöcke aus Kastanienholz zum Schutz vor Naturgefahren angebracht.

«Für die Aufforstung im Urserntal wird die Fichte die dominierende Baumart sein»,

erläuterte Annen, und er ergänzte: «Auch die Vogelbeere wird eine gewisse Rolle einnehmen. Mögliche ergänzende Baumarten können die Lärche, Arve, Bergföhre, Birke oder der Bergahorn sein.» Für die Ergänzungspflanzungen und Aufforstungen sollen Baumpflanzen von einer Forstbaumschule bezogen und anschliessend gepflanzt werden.

Rückschläge sind vorprogrammiert

«Dieses Projekt ist sehr wertvoll. Es sorgt für eine landschaftliche Bereicherung und schafft mehr Räume für Pflanzen und Tiere, die auf den Wald angewiesen sind. Das Projekt trägt bei zur Erhöhung der Artenvielfalt, die unsere Lebensgrundlage bildet», unterstrich Annen. Allerdings gab er zu bedenken: «Aufforstungen im Gebirge brauchen sehr viel Geduld. Bei diesem Projekt werden Rückschläge vorprogrammiert sein. Dessen muss man sich bewusst sein. Es ist nur machbar mit Durchhaltewillen.»

Konkret losgehen mit der Umsetzung des Projekts soll es bereits im nächsten Jahr. Im Gurschenwald ist in diesem Jahr eine Fläche für die Bepflanzung mit Jungbäumen vorbereitet worden. Vereinsmitglieder können einen aktiven Beitrag leisten, indem sie in den Aufforstungsgebieten mit anpacken und bei der Anpflanzung, Pflege und Instandhaltung der Waldflächen helfen.