Budget
Altdorf erwartet 2023 ein Defizit

Die Gemeinde Altdorf budgetiert ein Minus von 1,8 Millionen Franken – dies nicht zuletzt wegen der Teuerung. Dafür sieht es für das laufende Jahr besser aus als erwartet.

Florian Arnold
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«Das Bild ähnelt jenem vom vergangenen Jahr», sagte Gemeindepräsident Pascal Ziegler an der Budget-Medienkonferenz am Freitagmorgen. Ein Jahr zuvor hatte Altdorf mit einem Minus von 1,5 Millionen Franken für 2022 gerechnet. Nun sieht es für die Rechnung wesentlich besser aus: «Vielleicht werden wir knapp über 0 abschliessen», so die aktuellsten Prognosen.

Dies sei im Wesentlichen auf die besseren Steuereinnahmen zurückzuführen, die man aufgrund der Coronasituation eher pessimistisch eingeschätzt hatte. Für das Budget 2023 sei man vom aktuellen Level ausgegangen. «Auch im nächsten Jahr im Plus abzuschliessen, würde schon eine deutliche Steigerung bei den Steuern bedeuten», so Pascal Ziegler.

Bautätigkeit hält an

Für 2023 wird mit einem Minus von 1,8 Millionen Franken gerechnet, dies bei einem Gesamtertrag von 41,1 Millionen Franken. Trotzdem zeigt die Kurve der Steuereinnahmen nach oben, sowohl bei den juristischen wie bei den natürlichen Personen. Einzelne Posten seien jedoch schwierig vorauszusagen: Verwalterin Marlies Rieder bezeichnete etwa die Berechnung der Grundstückgewinnsteuern als «Lotterie». «In Altdorf wird viel gebaut. Wie viel jedoch an Grundstückgewinnsteuern abgerechnet wird, wissen wir nicht. Unser Einfluss ist dabei gleich null», führte sie aus.

Verwalterin Marlies Rieder stellte das Budget Altdorf genauer vor.

Verwalterin Marlies Rieder stellte das Budget Altdorf genauer vor.

Bild: Florian Arnold (Altdorf, 14. Oktober 2022)

Eine Steigerung wird aber nicht nur auf der Einnahmen-, sondern auch auf der Ausgabenseite erwartet. Grösster Ausgabenpunkt ist und bleibt die Schule. Im Kindergarten und auf der Oberstufe gibt es je eine Klasse mehr, für die Integrative Sonderschulung und die Integrative Förderung müsse mit gut einer Stelle mehr gerechnet werden. Auch dies könne man nicht beeinflussen, so Rieder: Die entsprechenden Verfügungen für die Schülerinnen und Schüler erlässt der Kanton.

Im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise habe nach Personal für den Deutschunterricht gesucht werden müssen. «Auf die Schulen ist sicher eine gewisse Mehrbelastung hinzugekommen», sagte Markus Christen, Leiter der Finanzabteilung. Auf das Gemeindebudget habe die Ukraine-Situation jedoch einen marginalen Einfluss. Die Schule bleibt Kostentreiber Nummer eins für die Gemeinde.

Rechenzentrum wird aufgestockt

Nicht wegdiskutieren lässt sich aber, dass auch die Verwaltung wächst und damit die Personalkosten. So habe eine Analyse gezeigt, dass die Altdorfer Gemeindeverwaltung im Vergleich mit anderen unterdotiert ist, etwa was die Liegenschaftsverwaltung angehe. Sukzessive arbeite man an einem entsprechenden Ausbau. Beim Rechenzentrum wird eine Stelle geschaffen. Nicht zuletzt müsse sich das Zentrum auf die baldige Pensionierung des langjährigen Leiters vorbereiten. Am Rechenzentrum beteiligen sich neben Altdorf allerdings noch andere Gemeinden, sodass sich auch die Zusatzkosten aufteilen werden.

Ausserdem hat die Gemeinde Altdorf eine Kommunikationsstelle (50 Stellenprozent) geschaffen. Diese sorge für eine Entlastung der Stabstellen und des Gemeinderats, wie Marlies Rieder ausführte. Investiert wurde auch in die Digitalisierung, mittlerweile ist der Gemeinderat papierlos unterwegs, was aber auch den entsprechenden «Support» benötige.

Sie sprachen über das Gemeindebudget von Altdorf (von links): Verwalterin Marlies Rieder, Gemeindepräsident Pascal Ziegler und Markus Christen von der Finanzabteilung.

Sie sprachen über das Gemeindebudget von Altdorf (von links): Verwalterin Marlies Rieder, Gemeindepräsident Pascal Ziegler und Markus Christen von der Finanzabteilung.

Bild: Florian Arnold (Altdorf, 14. Oktober 2022)

Zurückgegangen sind die Ausgaben für die Sozialhilfe. «Die Kurve stimmt nicht immer überein mit den Annahmen», kommentierte Marlies Rieder. Eine geringe Steigerung gibt es bei den Energiekosten. Hier zahlten sich jedoch die Investitionen in die Fotovoltaikanlagen auf dem Feldi- und dem Hagen-Dach aus.

Teuerung macht halbe Million aus

Die aktuelle Lage verlangt nach einer Teuerung bei den Löhnen der Mitarbeitenden. Budgetiert sind drei Prozent, was auf das gesamte Budget 2023 rund eine halbe Million Franken ausmacht. Über die exakte Höhe der Teuerung wird der Gemeinderat erst noch beraten. Noch nicht eingerechnet ist die Teuerung in den Finanzplan. Aber auch ohne diese sind für die kommenden Jahre nur Defizite prognostiziert. Für eine grosse Belastung sorgt etwa die Sanierung des Theaters Uri, was die Gemeinde etwa vier Millionen Franken kosten wird. Gemeindepräsident Pascal Ziegler stellte jedoch klar: «Das Theater Uri ist für uns ein sehr wichtiges strategisches Element für unsere Standortattraktivität.»

In den kommenden Jahren dürfte die Verschuldung auf eine «tragbare» Höhe anwachsen. Um eine Steuererhöhung kam man bisher herum, weil die Abschlüsse stets besser waren als angenommen. «Sollten wir aber mehrere Jahre hintereinander im Minus abschliessen, kommen wir wohl mittelfristig nicht um eine Steuererhöhung herum», so Pascal Ziegler. Wie Markus Christen jedoch ausführte, müsse der Finanzplan wie eine Wetterprognose gelesen werden, welche auf längere Sicht immer ungenauer sei.