BWZ Uri
Neue Reform verändert den Unterricht der Lernenden im Detailhandel – auch in Uri

Die Lernenden im Detailhandel werden seit diesem Jahr nach neuen Grundsätzen ausgebildet. Die Reform «verkauf 2022+» krempelt den Schulbetrieb komplett um. Betroffen ist auch der Unterricht am Berufs- und Weiterbildungszentrum Uri.

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Wer im August dieses Jahres eine Lehre als Detailhandelsfachfrau oder Detailhandelsassistent begonnen hat, wird nach komplett neuen Grundsätzen unterrichtet. Neu stehen für die Berufsschülerinnen und Berufsschüler im 1. Lehrjahr nicht mehr Fächer wie Deutsch, Englisch, Wirtschaft oder Detailhandelskenntnisse im Vordergrund, sondern vier verschiedene Handlungskompetenzbereiche.

Diese umfassen: das Gestalten von Kundenbeziehungen, das Bewirtschaften und Präsentieren von Produkten und Dienstleistungen, das Erwerben und Erbringen sowie Weiterentwickeln von Produkte- und Dienstleistungskenntnissen und das Interagieren im Betrieb und in der Branche.

Manuela Arnold (links) ist Lehrerin für Deutsch und Englisch.

Manuela Arnold (links) ist Lehrerin für Deutsch und Englisch.

Bild: Valentin Luthiger (Uri, 30. September 2022)

Eine neue Art des Unterrichts

Manuela Arnold, Lehrerin für Deutsch und Englisch in der Abteilung Wirtschaft/Verkauf am Berufs- und Weiterbildungszentrum Uri, veranschaulicht die Reform: «Englisch etwa nimmt stundenplanmässig ein kleineres Zeitgefäss ein als vorher, kommt nun aber in Lernfeldern versteckt daher.» Oder anders gesagt: In einem praxisnahen Rollenspiel erklären beispielsweise die Lernenden dem Kunden die Vorzüge eines Produkts in englischer Sprache.

Neu setzt die Berufsschule auf Rollenspiele im Unterricht.

Neu setzt die Berufsschule auf Rollenspiele im Unterricht.

Bild: Valentin Luthiger (Uri, 30. September 2022)

Für die Lehrpersonen bedeutet die Reform auch einen veränderten Unterricht: «Es gibt keine langen, theorielastigen Vorträge mehr. Neu sind die Lehrpersonen Lerncoaches und erarbeiten zusammen mit den Lernenden mögliche Lösungswege», erklärt Manuela Arnold.

Mehr Verantwortung für die Lehrlinge

Sozialformen wie Gruppen- und Partnerarbeit haben dadurch an Wichtigkeit gewonnen und den Schülerinnen und Schülern wird mehr Verantwortung abgegeben. «Auch arbeiten wir uns nicht mehr flächendeckend durch das Lehrmittel, sondern nehmen uns punktuell das raus, was wir gerade brauchen», erläutert Manuela Arnold das neue System. Was halt mit sich bringt, dass die Lektionsvorbereitung umfangreicher geworden ist. Zudem sei eine gute Kommunikation zwischen den am Unterricht beteiligten Lehrpersonen sehr wichtig.

Wie auch in der vermehrten digitalen Arbeitswelt des Detailhandels, ist der Computer wichtig für die Schule geworden. «Wenn die Lernenden nicht gerade in Gruppen arbeiten, nutzen sie am Computer ein digitales Lehrmittel», so Arnold. (kba/pd)

Bildungsreform «verkauf 2022+»

Die aktuell noch geltenden Grundbildungen im Detailhandel wurden 2004 in Kraft gesetzt und seither zweimal leicht überarbeitet. Die Lernenden, die jetzt im zweiten oder dritten Ausbildungsjahr sind, werden im Jahr 2024 zum letzten Mal das Qualifikationsverfahren nach den alten Richtlinien abschliessen. Grund für die nun vorgenommene Reform unter dem Titel «verkauf 2022+» ist, dass sich die Anforderungen an die Berufsleute im Detailhandel stark verändert haben. Die moderne Kundschaft ist anspruchsvoller und besser informiert. Eine auf den Kundennutzen fokussierte, fachkompetente Beratung ist darum enorm wichtig. Mit der Totalrevision sollen die Berufsleute des Detailhandels fit für den Arbeitsmarkt der Zukunft gemacht werden. (kba/pd)