Energiewende
Landrätin fordert, dass der Kanton private Solaranlagen mitfinanziert

SP-Landrätin Chiara Gisler will Solarstrom fördern. Ihre Idee: Bis 2030 soll der Kanton zinslose Darlehen für neue und bestehende Solaranlagen zur Verfügung stellen, sofern das Kosten-Nutzen-Verhältnis positiv ausfällt.

Anian Heierli
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Solaranlagen gelten als ökologisch, da sie keine Abgasemissionen verursachen. Sie stehen aber auch in der Kritik, weil bei der Herstellung Energie benötigt wird. Doch klar ist: Mit dem Gang weg von fossilen Energieträgern kommt man um Sonnenenergie kaum herum. Nun hat Chiara Gisler (SP, Altdorf) einen Vorstoss zur Thematik eingereicht. Mit ihrer Motion «Nachhaltige, lokale Wirtschaftsförderung durch die Nutzung der Solarenergie» will die Landrätin die Regierung dazu auffordern, eine gesetzliche Grundlage zu schaffen. Konkret würde diese gesetzliche Grundlage gemäss Gisler für neue und bestehende Solaranlagen gelten, sofern das Kosten-Nutzen-Verhältnis über die gesamte Lebensdauer positiv ausfällt. Ihr schwebt vor, dass der Kanton zur Finanzierung solcher Anlagen ein zinsloses Darlehen zur Verfügung stellt, falls Investitionskosten nicht von Eigentümern getragen werden können.

Gemäss Landrätin Chiara Gisler hat der Kanton Uri in Sachen Solarenergie viel Luft nach oben.

Gemäss Landrätin Chiara Gisler hat der Kanton Uri in Sachen Solarenergie viel Luft nach oben.

Symbolbild: Ralph Ribi (Gossau, 29. Juni 2021)

«Der Ausstieg aus fossilen Energieträgern in den Bereichen Gebäude, Verkehr und Industrie hin zu anderen Technologien bedeutet eine Zunahme des Stromverbrauchs», so die Motionärin in ihrem Vorstoss. Parallel zur Dekarbonisierung sei ein Ausbau der erneuerbaren Energieversorgung notwendig. Gemäss Gisler setzt der Kanton Uri bereits stark auf Wasserkraft. Sie sieht dagegen ein enormes Ausbaupotenzial bei der Solar- und Windenergie. Dazu schreibt sie im Vorstoss: «Während sich bei den Windkraftanlagen häufig Widerstand zeigt, nimmt die Fotovoltaik aufgrund der vergleichsweise schnellen Zubaumöglichkeit und der hohen Akzeptanz in der Bevölkerung eine zentrale Rolle ein.»

Uri nutze das Solarpotenzial nicht

In Sachen Potenzial verweist die Landrätin auf eine Studie der Organisation Swiss Energy Planning. Die Forscher eruierten, dass die Urner Gemeinden alle unter zehn Prozent der möglichen Auslastung liegen. «Dies zeigt eindrücklich auf, wie viel Solarstrom auf den Urner Dächern noch produziert und wie viele Emissionen durch fossile Energieträger ersetzt werden könnten.» Für sie ist klar:

«Die Zubauraten der Solarenergie sind heute zu gering.»

Sie fordert deshalb einen massiv grösseren und schnelleren Ausbau. Dieser sei notwendig. «Die Energie wird bei Solaranlagen dort produziert, wo sie auch gebraucht wird», so Gisler. Im Winter bedeute dies, dass weniger Strom aus dem Ausland zugekauft werden müsse. Sie ist sich sicher: «Ein Ausbau der Solarenergie treibt die lokale Wirtschaft an. Es werden Wertschöpfung und Arbeitsplätze vor Ort geschaffen.» Eine Solarpflicht möge radikal erscheinen. Jedoch sei dies vergleichbar mit der Pflicht zum Bau von Schutzräumen, die der Bund 1963 erliess.