Erstfeld
Energiestadt Erstfeld zeigt seit 21 Jahren Weitsicht, Ausdauer und Motivation

Seit 2001 ist Erstfeld als kleinste Gemeinde der Schweiz Energiestadt und dies seit zehn Jahren sogar mit Gold-Auszeichnung.

Veronika Rojek
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Die Bevölkerung von Erstfeld feiert gemeinsam das Energiestadtfest 2022.

Die Bevölkerung von Erstfeld feiert gemeinsam das Energiestadtfest 2022.

Bild: Veronika Rojek-Wöckner (Erstfeld, 10. September 2022)

Erstfeld erhielt als erste Urner Gemeinde das Label «Energiestadt». Durch kontinuierliches Engagement und Umsetzung weiterer energieeffizienter Massnahmen sowie konsequenter Nutzung von erneuerbarer Energie wurde elf Jahre später auch die Auszeichnung «European Energy Label Gold» durch die Labelkommission des Trägervereins Energiestadt verliehen. Vergangenen Samstag wurde dieser weiterhin andauernde Erfolg gemeinsam mit Amtsträgern der kommunalen und kantonalen Ebene, der Bevölkerung und geladenen Gästen gefeiert.

«Die heutige Energie- und Klimalage weltweit zeigt, dass Erstfeld vor 21 Jahren einen klugen Entscheid gefasst hat und mit der Sensibilisierung dieser Thematik für mehr Nachhaltigkeit innerhalb der Gemeinde Vorarbeit geleistet hat», betonte die Gemeindepräsidentin von Erstfeld, Pia Tresch, in ihrer Eröffnungsrede. Mit einer Gesamtbewertung von über 83 Prozent übertrifft Erstfeld die Mindestanforderung von 75 Prozent für eine Gold-Zertifizierung und steht damit an 6. Stelle von 467 Gemeinden schweizweit. Neben vielen energiepolitischen Zielen auf Gemeindeebene wurde in Erstfeld auch Wert darauf gelegt die Industrie und Bevölkerung mit einzubeziehen. Neben «Energiestadt-Hausschildern», von denen schon über 100 vergeben worden sind, entstand in der Erstfelder Wasserschaft 2009 das erste «Energiestadtquartier» der Schweiz. «Erstfeld hat schon viele seiner Hausaufgaben in diesem Bereich gemacht. Doch die Hände in den Schoss legen, können auch wir nicht», sagte Tresch am Ende ihrer Festrede. «Bleiben wir dran und zeigen allen, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine Worthülse sein darf.»

Gemeindepräsidentin Bürglen, Luzia Gisler, Co-Geschäftsführerin Trägerverein Energiestadt, Barbara Schwickert, Gemeindepräsidentin Erstfeld, Pia Tresch, Urner Regierungsrat, Daniel Furrer (von links).

Gemeindepräsidentin Bürglen, Luzia Gisler, Co-Geschäftsführerin Trägerverein Energiestadt, Barbara Schwickert, Gemeindepräsidentin Erstfeld, Pia Tresch, Urner Regierungsrat, Daniel Furrer (von links).

Bild: Veronika Rojek-Wöckner (Erstfeld, 10. September 2022)

Es lohnt sich, ausdauernd zu sein

Auch der Urner Regierungsrat, Daniel Furrer, betonte, dass Uri ein Energiekanton bleibe und dass das Konzept Energiestadt ein wichtiger Ansatz sei, um gesetzte Ziele hin zu einem «Netto Null bis 2050» erreichen zu können.

Eine bewegende Rede hielt auch die Gemeindepräsidentin von Bürglen, Luzia Gisler, und fasste die Bemühungen und Ziele von Erstfeld in drei Stichwörtern zusammen. «Weitsicht meint nicht nur, vor die Füsse zu denken, sondern eine vorausschauende Perspektive zu haben. Ausdauer braucht es auf dem langen politischen Weg, um das umzusetzen, was Erstfeld umgesetzt hat. Motivation steht für den von Erstfeld gegangenen Weg. Motivation für uns alle, da es sich gelohnt hat, Weitsicht zu haben. Da es sich gelohnt hat, ausdauernd zu sein.» Seit 2018 darf sich auch die Gemeinde Bürglen als Energiestadt ausweisen und wurde damit die vierte Urner Gemeinde, die den Zertifizierungsprozess sowie die Beurteilung des Entwicklungsprozesses mit mindestens 50 Prozentpunkten erreicht hat.

Das Sponti-Car wurde in Erstfeld sehr gut aufgenommen und motiviert zur Elektromobilität.

Das Sponti-Car wurde in Erstfeld sehr gut aufgenommen und motiviert zur Elektromobilität.

Bild: Veronika Rojek-Wöckner (Erstfeld, 10. September 2022)

Nach den Festreden wurde ein Apéro für die Bevölkerung serviert. Bei wechselhaftem Wetter konzentrierte sich die Festwirtschaft auf das Festzelt unter musikalischer Begleitung von «Bandella Spontanella». Im Laufe des frühen Nachmittags bot das Energiestadt-Fest zudem ein vielseitiges Programm. Neben einer Hüpfburg für die jungen Besucher, durfte man auch Testfahrten mit dem «Sponti-Car» durchführen oder defekte Elektro-Geräte ins «Repair Café» bringen. Seit 2020 unterhält Erstfeld ein Elektroauto und stellt dieses auf dem Gemeindeparkplatz für die Bevölkerung zur Verfügung. Allein im Zeitraum vom 1. Januar bis Ende August wurde das Erstfelder «Sponti-Car» insgesamt 200 Mal genutzt, das ist im Schnitt 4.85 Stunden pro Nutzung und legte dabei 11.270 Kilometer zurück. Die hierbei entstandenen Gebühren für die NutzerInnen betrugen gesamthaft lediglich 2286 Franken, wobei Strom und Parkieren bei der Nutzung vom «Sponti-Car» kostenfrei sind. Zusätzlich nutzen Gemeindemitarbeiter das Fahrzeug bei Behördeneinsätzen.

Das Repair Café hat das Motto «Reparieren statt wegwerfen».

Das Repair Café hat das Motto «Reparieren statt wegwerfen».

Bild: Veronika Rojek-Wöckner (Erstfeld, 10. September 2022)

Das Repair Café, das ein bis zwei Mal jährlich stattfindet, war ebenfalls erneut ein voller Erfolg. Nach einer kurzen Anmeldung konnten 60 bis 100 Personen gemeinsam mit Technik-Kennern des Vereins «Hackerspace Uri» ihre Haushaltgeräte auf einen Defekt untersuchen und mit einer Erfolgschance von rund 60 Prozent reparieren.