Erstfeld
«Jetzt geht es erst richtig los»: Entwicklungsprojekt wird nun umgesetzt

Der Steuerungsausschuss der «Perspektive Erstfeld» hat sieben konkrete Stossrichtungen zur Entwicklung in verschiedenen Bereichen vorgestellt.

Urs Hanhart
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Christian Raab von der Volkswirtschaftsdirektion orientierte über die Stossrichtungen und das weitere Vorgehen.

Christian Raab von der Volkswirtschaftsdirektion orientierte über die Stossrichtungen und das weitere Vorgehen.

Bild: Urs Hanhart (Erstfeld, 17. November 2021)

Seit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im Sommer 2016 haben sich die Rahmenbedingungen für den Bahnstandort Erstfeld laufend verändert. Deshalb gründeten der Kanton Uri, die Einwohnergemeinde Erstfeld, die SBB und die SOB 2020 die Projektgruppe «Perspektive Erstfeld». Dieser Zusammenschluss hatte zum Ziel, Strategien und Massnahmen für die Entwicklung der Gemeinde und der Region zu definieren. Der Steuerungsausschuss «Perspektive Erstfeld» unter der Leitung des Urner Landammanns und Volkswirtschaftsdirektors Urban Camenzind hat ein Kernteam mit vier Arbeitsgruppen ins Leben gerufen. Diese erarbeitete in den Bereichen Bahnbranche, Tourismus, Wohnraum und Areale sowie Technologie, Berufs- und Weiterbildung wertschöpfende und umsetzungsorientierte Perspektiven.

Das Resultat liegt nun vor. Um die nächste Phase der Umsetzung einzuläuten und den involvierten Arbeitsgruppen, Branchenvertretungen und Behörden für ihren Einsatz zu danken, lud der Steuerungsausschuss alle Involvierten am Mittwoch zu einem Apéro ins Historische Gotthardbahn-Depot in Erstfeld ein. An diesem Anlass wurden die Resultate der ersten Phase vorgestellt und aufgezeigt, welche Massnahmen prioritär umgesetzt werden sollen.

Die richtigen Zutaten sind vorhanden

«Zum ersten Mal haben alle Betroffenen an einem Tisch mitgearbeitet und den Blick gemeinsam in die Zukunft gerichtet», sagte Erstfelds Gemeindepräsidentin, und sie fügte noch an: «Aus Erfahrung weiss ich, dass damit die Suppe noch nicht gekocht ist. Aber die richtigen Zutaten sind nun vorhanden. Jetzt liegt es an allen Beteiligten, diese Zutaten so zu mischen, dass für alle eine geniessbare – oder noch besser – eine exzellente Suppe herauskommt.» Erfreulich sei, dass auch eine kleine Gemeinde wie Erstfeld wahrgenommen werde, wenn die richtigen Leute am Tisch sässen. Verschiedene Projekte stünden nun zur Umsetzung bereit.

«Jetzt geht es erst richtig los»

, so Tresch. Camenzind gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass ein gemeinsames Vorgehen festgelegt worden sei und gemeinsame Ideen vorhanden seien, wie der strukturelle Wandel angepackt werden solle. Die Grundlagen seien geschaffen. Camenzind versprach, dass die Volkswirtschaftsdirektion bei der Umsetzung unterstützend mithelfen werde.

Sieben Stossrichtungen werden verfolgt

Christian Raab, Generalsekretär Volkswirtschaftsdirektion, wies darauf hin, dass in einer ersten Umsetzungsphase sieben Stossrichtungen von besonders hohem Potenzial und von strategischer Bedeutung vorangetrieben würden, wobei das Ganze durch ein begleitendes Gremium überwacht werde. So sollen unter dem Lead der SBB in den Bereichen Bahnproduktion, Instandhaltung und Logistik verbindliche Grundlagen für deren Planung und Entwicklung in der Region erarbeitet werden. Im Fokus stünden die Themen Erhalt und Schaffung von Arbeitsplätzen. Als wichtige Massnahme im Bereich Tourismus identifizierten die Beteiligten die Schaffung einer nachhaltig finanzierten Organisation, die konkrete Tourismusmassnahmen umsetzen soll.

Erstfeld wiederum soll im Siedlungsleitbild die Vision zur Entwicklung der Gemeinde verankern. Dieses soll damit zum verbindlichen strategischen Instrument werden. Des Weiteren will die Gemeinde die Planung von Projekten, insbesondere im Zentrum, stärker koordinieren und aufeinander abstimmen. Gemeinsam mit den SBB sollen Ideen im Zusammenhang mit dem SBB-Areal gefördert werden.

Enormes Potenzial sehen alle Beteiligten im Umgang mit Naturgefahren. Darin besitzt der Kanton Uri grosse Erfahrungen und Kenntnisse, die in einem Wirtschaftscluster zusammengefasst werden sollen.

Einen Papiertiger verhindern

Zum weiteren Vorgehen sagte Raab: «Der Steuerungsausschuss und das Kernteam bleiben eingesetzt. Letzteres wird ein Fortschrittsmonitoring vornehmen. Einmal im Jahr wird künftig über den Umsetzungsstand rapportiert. Dadurch möchten wir gewährleisten, dass aus dem Projekt kein Papiertiger wird.»

Podium mit Thomas Küchler, CEO SOB, Daria Martinoni, SBB-Leiterin Region Ost, Pia Tresch, Gemeindepräsidienten, Urban Camenzind, Landammmann, Datko Götz, Kontextplan AG (von links).

Podium mit Thomas Küchler, CEO SOB, Daria Martinoni, SBB-Leiterin Region Ost, Pia Tresch, Gemeindepräsidienten, Urban Camenzind, Landammmann, Datko Götz, Kontextplan AG (von links).

Bild: Urs Hanhart (Erstfeld, 17. November 2021)

Zum Schluss gab es noch ein von Claudio Deplazes geleitetes Podium, an dem nebst Tresch und Camenzind auch Daria Mortinoni, SBB-Leiterin Region Ost, Thomas Küchler, CEO SOB, und Datko Götz von der Kontextplan AG teilnahmen. Alle zeigten sich überzeugt, dass man mit den nun eingeleiteten Stossrichtungen auf dem richtigen Weg sei. Küchler bracht es wohl auf den Punkt, indem er betonte: «Es braucht einen lagen Atem. Aber wenn man dran bleibt, kann man einiges erreichen.»