Göschenen
Die Bauarbeiten am Gotthard faszinieren die Bevölkerung

Der hohe Besucherandrang am Tag der offenen Baustelle in Göschenen zeigt, wie sehr die Öffentlichkeit am Bauprojekt Anteil nimmt.

Christof Hirtler
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Tag der offenen Baustelle für die zweite Röhre des Gotthard-Strassentunnels in Göschenen: Besichtigung des Bohrjumbos.

Tag der offenen Baustelle für die zweite Röhre des Gotthard-Strassentunnels in Göschenen: Besichtigung des Bohrjumbos.

Bild: Christof Hirtler (Göschenen, 10. September 2022)

Am Samstag konnte die Bevölkerung die Baustelle für die zweite Röhre des Gotthard-Strassentunnels in Göschenen besichtigen. Besonders faszinierte der Zugangsstollen, vor dem sich eine lange Schlange bildete. Zu sehen waren eine Reihe Maschinen, wie der riesige Untertagelader, mit dem Geröll und Gestein aus dem Tunnel herausgebracht wird oder der «Bohrjumbo» für den Sprengvortrieb, mit Monitoren und Joysticks computerunterstützt gesteuert. Leider nur durch eine Absperrung zu sehen war die Tunnelbohrmaschine «Carla». Ihre Dimensionen und Leistung aber beeindrucken: 200 Meter lang, 2000 Tonnen schwer, mit einem Bohrkopf von über 7 Metern Durchmesser und einer Vorschubkraft von 2 Tonnen.

Das «Multiple Service Vehicle» MSV, für die gleislose Versorgung der Tunnelbaustelle.

Das «Multiple Service Vehicle» MSV, für die gleislose Versorgung der Tunnelbaustelle.

Bild: Christof Hirtler (Göschenen, 10. September 2022)

Präsentiert wurden im Areal des «Eidgenössischen» auch das «Multiple Service Vehicle» MSV, für die gleislose Versorgung der Tunnelbaustelle: Das MSV ist ein 30 Meter langes Pneu-Fahrzeug, mit dem Menschen und Material in den Stollen eingefahren werden. Es ersetzt die konventionelle Stollenbahn und kann auf engstem Raum auch unterhalb der Tunnelmaschine manövrieren. Zu sehen waren auch ein Einsatzfahrzeug der Schadenwehr Gotthard und die Ambulanzfahrzeuge von Tre Valli Soccorso (Rettungsdienst des Obertessins). Kinder spielten mit Baggern, Lastwagen und Schaufeln auf einem grossen Sandhaufen und im Festzelt genossen die Besucherinnen und Besucher ihre Gratis-Bratwurst zu den urchigen Klängen des Ländlertrios «Tänzig».

Lärmverminderung, weil Betonanlage im Berg liegt

Als spektakulär erwies sich die Besichtigung der Betonkaverne, einer imposanten, über sieben Meter hohen Halle, die rund 150 m weit im Berg herausgebrochen wurde. Bereits in einigen Wochen werden dort die Anlagen für die Betonaufbereitung eingebaut. So kann der Beton nahe am Ort produziert werden, wo er auch gebraucht wird, und der Lärm, der durch die Betonaufbereitung entsteht, bleibt im Berg.

Das Infocenter beim Bahnhof Göschenen.

Das Infocenter beim Bahnhof Göschenen.

Bild: Christof Hirtler (Göschenen, 10. September 2022)

Das Infozentrum zur Baustelle im früheren Bahnhofsbuffet von Göschenen, welches ganzjährig betrieben wird, war ebenfalls geöffnet und zählte zum ersten Mal über 220 Eintritte an einem Tag. Weiter nutzten zahlreiche Besucherinnen und Besucher ihren Ausflug auch zur Erkundung von Göschenen und der näheren Umgebung, zum Beispiel entlang dem Baustellenrundgang, welcher zur Kantine und zu den Arbeiterunterkünften führt.

Knackpunkt Störzonen

Xavier von Mandach (Implenia AG) Baustellenchef des Loses 243.

Xavier von Mandach (Implenia AG) Baustellenchef des Loses 243.

Bild: Christof Hirtler (Göschenen, 10. September 2022)

Mitarbeitende des Bundesamts für Strassen (Astra), Ingenieure der Basler & Hofmann AG und der Arge secondo tubo (Implenia AG, Frutiger AG und Costruzioni Stradali e Civili S.A.) beantworteten Fragen des Publikums. Auskunft gab der Baustellenleiter des Vorbereitungsloses 243, Xavier von Mandach von der Baufirma Implenia AG: «Wir bauen mit der Tunnelbohrmaschine ‹Carla› den Zugangsstollen Nord zur Mesozoikum-Störzone. Sie befindet sich im Übergang zwischen zwei Gesteinsschichten, ist 270 Meter lang und liegt rund 4,1 Kilometer vom Nordportal entfernt. Das Gebirge ist dort weitgehend entfestigt, wasserführend und steht unter hohem Druck. Im Sommer 2023 soll Carla mit einem Bohrkopfdurchmesser von über 7 Metern die Störzone ‹Mesozoikum› erreichen. Danach wird die Störzone konventionell ausgebrochen und gesichert.»

Auch auf der Südseite des Gotthards wird ein Zugangsstollen zur 4,9 Kilometer vom Portal entfernten 300 Meter langen Störzone «Guspis» gebohrt, diese wird anschliessend konventionell ausgebrochen und gesichert. Ab 2024 kommen im Norden und Süden im Haupttunnel zwei grössere Tunnelbohrmaschinen mit einem Bohrkopfdurchmesser von 12,3 Meter zum Einsatz. Sie werden die Störzonen ungehindert durchfahren, wodurch viel Zeit eingespart wird. Insgesamt kommen beim Bau der zweiten Röhre vier Tunnelbohrmaschinen zum Einsatz.

Video: PilatusToday

Zufriedenheit bei den Unternehmern und der Bauherrschaft

«Rund 1200 Besucherinnen und Besucher machten sich vor Ort ein Bild über den Stand der Arbeiten», sagte Eugenio Sapia, Beauftragter Information & Kommunikation des Astra. Sehr zufrieden mit dem Tag der offenen Baustelle waren die Bauunternehmer, trotz des Unterbruchs der Arbeiten. Ebenfalls eine positive Bilanz zog der neue Gesamtprojektleiter des Astra, Udo Oppliger: «Der Kontakt mit der Bevölkerung ist uns wichtig. Der Tag der offenen Baustelle ermöglicht einen direkten Austausch mit den Menschen, die tagtäglich dieses Jahrhundertbauwerk vorwärtsbringen. Das ist besonders wertvoll.»

Tag der offenen Baustelle für die zweite Röhre des Gotthard-Strassentunnels in Göschenen: Besichtigung des Zugangsstollens.

Tag der offenen Baustelle für die zweite Röhre des Gotthard-Strassentunnels in Göschenen: Besichtigung des Zugangsstollens.

Bild: Christof Hirtler (Göschenen, 10. September 2022)