Interpellation
Sexuelle Bildung: Urner Regierung sieht keinen zusätzlichen Optimierungsbedarf

An den Urner Schulen sei eine ganzheitliche und professionelle Sexualaufklärung sichergestellt, heisst es in der Antwort des Regierungsrats auf eine Interpellation aus dem Landrat.

Markus Zwyssig
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Die Ausstellung «Mein Körper gehört mir» will erreichen, dass sich Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen können.

Die Ausstellung «Mein Körper gehört mir» will erreichen, dass sich Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen können.

Bild: PD

Landrätin Chiara Gisler (SP/Grüne, Altdorf) will in einer Interpellation wissen, wie in Zukunft eine ganzheitliche und professionelle Sexualaufklärung für Urner Schülerinnen und Schüler garantiert wird. Nun liegt die Antwort der Regierung vor. Im Kanton Uri erlässt gemäss dem Gesetz über Schule und Bildung (Schulgesetz) der Erziehungsrat die Lehrpläne; er bestimmt, welche Lehrmittel im Unterricht der Volksschule zu verwenden sind, und übt im Rahmen der Gesetzgebung die unmittelbare Aufsicht über das gesamte Schul- und Erziehungswesen aus. Daher hat die Regierung die Interpellation in Zusammenarbeit mit dem Erziehungsrat beantwortet.

Seit vielen Jahren seien sexualkundliche Themen Gegenstand der kantonalen Volksschullehrpläne, hält die Regierung fest:

«Die Lehrerinnen und Lehrer thematisieren die sensiblen Inhalte mit der nötigen Sorgfalt und Professionalität.»

Daran schliesse der für Schulen beziehungsweise Lehrpersonen verbindliche Lehrplan 21 an. Im Rahmen von dessen Erarbeitung und Einführung wurde beschlossen, Sexualkunde nicht zu früh anzusetzen – sodass mit dem Lehrplan 21 kein sexualkundlicher Unterricht im Kindergarten und in der Unterstufe der Primarschule eingeführt wurde. Dennoch werden bereits in dieser Zeit der eigene Körper sowie das Neinsagen und Hilfeholen bei unangenehmen und ungewollten Handlungen am eigenen Körper thematisiert. Die sexualkundlichen Themen sind in den Fachbereichen Natur, Mensch und Gesellschaft ab der 5. Klasse und in den Fachbereichen Natur und Technik sowie Ethik, Religionen und Gemeinschaft auf der Oberstufe eingebaut.

Regierung und Erziehungsrat sind der Meinung, dass die Sexualaufklärung in der Schule heute bereits ganzheitlich und professionell sei und dass es mit Blick auf die Zukunft keinen erhöhten Optimierungsbedarf beziehungsweise besondere Massnahmen brauche, die das übliche Mass an Schul- und Unterrichtsentwicklung übersteigen müssten.

«Den Lehrpersonen steht für den Aufklärungsunterricht eine Reihe von didaktisch sinnvollen Lehrmitteln zur freien Wahl zur Verfügung», gibt sich die Regierung überzeugt. Weil es sich beim Sexualkundeunterricht um ein sehr persönliches Thema handle, müsse sich auch die Lehrperson bei der Vermittlung der Inhalte wohlfühlen. «Die Einführung eines Lehrmittelobligatoriums für den Sexualkundeunterricht würde nicht zwangsläufig zu einer Qualitätssteigerung führen, sondern lediglich zu einer Vereinheitlichung.»

Kampagnen zur Sensibilisierung

Die Regierung weist in ihrer Antwort auch auf andere Massnahmen und Kampagnen hin. Diese würden zwar nicht direkt auf das Thema Sexualaufklärung fokussieren, aber doch einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung leisten. So wird für die 3. und 4. Klassen alle zwei Jahre die Präventionskampagne «Mein Körper gehört mir» durchgeführt. Die Kampagne besteht aus einer interaktiven Ausstellung in der Kollegi-Kapelle in Altdorf, die alle Schülerinnen und Schüler besuchen, einer Lehrpersonenveranstaltung und Elternabenden.

Alternierend findet in der 2. und 3. Oberstufe die Kampagne «Love Limits» statt. Im Mittelpunkt steht ebenfalls eine interaktive Ausstellung zur Prävention von sexuellen Übergriffen von Gleichaltrigen. Im Rahmen der schulärztlichen Untersuchung in der 2. Oberstufe wird den Lernenden ausserdem die Möglichkeit geboten, Fragen über die Gesundheit, über das Wohlbefinden und die persönliche Entwicklung mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen.

Im Weiterbildungsprogramm für die Urner Lehrpersonen, das jährlich in Zusammenarbeit mit den Kantonen Nid- und Obwalden durchgeführt wird, würden stets Kurse zum Sexualunterricht angeboten. Zudem stehen den Lehrpersonen auch die Kursangebote der Pädagogischen Hochschulen sowie anderer anerkannter Fachstellen wie dem Institut für Sexualpädagogik und Sexualtherapie in Zürich oder Sexuelle Gesundheit Schweiz in Bern zur Verfügung. Und schliesslich zahlt der Kanton Uri jährlich einen Beitrag an den Verein Sexuelle Gesundheit Zentralschweiz.