Invasive Neophyten
Tauschaktion: Für fremde gibt's jetzt einheimische Pflanzen

Das Amt für Umweltschutz und die Korporationsbürgergemeinden des Forstbetriebs Urnersee wollen gegen invasive Neophyten aus Privatgärten vorgehen. Jetzt können die Pflanzen gratis getauscht werden.

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Immer mehr ortsfremde Pflanzen, sogenannte Neophyten, schleichen sich in den einheimischen Wald ein. Schuld daran sind oft private Gärten, von wo aus sich diese invasionsartig ausbreiten. Dem wollen jetzt das Amt für Umweltschutz sowie die Korporationsbürgergemeinden Altdorf, Flüelen und Sisikon Gegensteuer geben, wie aus einer Medienmitteilung hervorgeht. Gemeinsam haben sie eine innovative Aktion entwickelt: Privatpersonen können neu ihre Neophyten gratis gegen einheimische Gartenpflanzen tauschen.

Neophyten verdrängen Heimische

«Der Urner Wald ist mehr als ein Beitrag zum schönen Landschaftsbild», heisst es in der Mitteilung. Im Bergkanton schütze der Wald die Siedlungen vor Rutschen und Steinschlägen. Die Urner Forstbetriebe bewirtschaften den heimischen Wald sorgfältig. Doch die invasiven Neophyten verdrängen immer mehr die einheimischen Arten. «Geht das ungehindert weiter, wird das Ökosystem – und damit der Mensch – Schaden erleiden.»

Beratung vom Fachmann: Revierförster Lorenz Jud weiss, was dem Wald guttut und welche Neophyten nicht in die Urner Gärten gehören.

Beratung vom Fachmann: Revierförster Lorenz Jud weiss, was dem Wald guttut und welche Neophyten nicht in die Urner Gärten gehören.

Bild: Valentin Luthiger

Viele der invasiven, exotischen Pflanzen werden in Hausgärten als Zierpflanzen angepflanzt. Die Samen und Früchte breiten sich bis in den Wald aus. «Wir suchen nun die Unterstützung der Privatgärtner», wird Stefan Jauch, Präsident der Korporationsbürgergemeinde Altdorf, zitiert. Zusammen mit Flüelen und Sisikon bilden die drei Korporationsbürgergemeinden den Forstbetrieb Urnersee mit rund 1500 Hektaren. «Das Neophyten-Problem lässt sich nicht allein im Wald lösen, sondern in den Gärten, dort, wo der Ursprung liegt», glaubt Jauch. Es gehe keineswegs um Schuldzuweisungen. «Wir möchten die Leute für das Thema sensibilisieren und Alternativen aufzeigen.» Man müsse etwas unternehmen, sonst leide der Wald langfristig.

Profis beraten Privatpersonen

Nun wurde die etwas spezielle Tauschaktion ins Leben gerufen: Wer eine gebietsfremde Problempflanze im Garten hat, kann diese kostenlos gegen eine einheimische und ökologisch wertvolle Pflanze eintauschen. «Wer mitmachen will, kann auf eine fachmännische Beratung vor Ort zählen», so Jauch. Entweder der Revierförster Lorenz Jud oder Beat Zgraggen, zuständig für den Fachbereich Neophyten beim Amt für Umweltschutz, schauen sich den Privatgarten vor Ort an und zeigen auf, welche alternativen, einheimischen Pflanzen geeignet wären.

Die Privatpersonen können kostenlos einheimische Gewächse beim Forstbetrieb Urnersee bestellen. Auf Wunsch kann eine Gartenfirma die Neophyten im Garten entfernen und die einheimischen Pflanzen setzen. Die Gartenbesitzerin oder der Gartenbesitzer übernimmt dabei nur die Hälfte dieser Gartenarbeitskosten. Oder sie legen selber Hand an im Garten. Informationen zur Pflege und so weiter werden bei der Beratung vor Ort abgegeben. «Damit bieten die Korporationsbürgergemeinden und das Amt für Umweltschutz einen unkomplizierten und schnellen Weg, die exotischen Problempflanzen im Garten für immer loszuwerden», heisst es weiter in der Mitteilung.

Hoffnung auf erfolgreiche Aktion

Die Projektverantwortlichen setzen insbesondere auf die Beratung vor Ort, die ebenfalls kostenlos ist. Dank diesem Service hofft man, dass in den Gärten von Altdorf, Flüelen und Sisikon bereits im nächsten Frühling mehr einheimische Sträucher blühen. Davon profitiere die Urner Natur direkt: Einheimische Pflanzen bieten Lebensraum und Nahrung für Insekten, Vögel und Kleintiere. «Wir hoffen, dass die Aktion positiv aufgenommen wird und die Leute Lust bekommen, mit geringem Aufwand einen grossen Mehrwert für die Natur zu schaffen», so Beat Zgraggen vom Amt für Umweltschutz Uri. Es gehe dabei nicht um die Gartengestaltung, sondern um den Ersatz der invasiven Problempflanzen. «Gemeinsam können wir so etwas für die Biodiversität tun und gleichzeitig die Ausbreitung der Neophyten eindämmen», wird Zgraggen zitiert. Unterstützt wird die Aktion von der Dätwyler Stiftung. Auch die Korporation Uri trägt das Projekt mit. (pd/zf)

Am Wochenmarkt präsent

Am Samstag, 22. Oktober, informieren die Fachleute der Korporationsbürgergemeinden und des Forstbetriebs Urnersee zusammen mit dem Amt für Umweltschutz am Wochenmarkt Altdorf über das Projekt. Sie zeigen auf, warum es sich lohnt, einheimische Gewächse zu pflanzen. In diesen Tagen werden die Liegenschaftsbesitzer der Gemeinden Altdorf, Flüelen und Sisikon Post bekommen und in einem Flyer auf die kostenlose Beratung und Tauschaktion hingewiesen. Mehr Infos unter www.ur.ch/neophyten_hausgarten.