Isleten
Diese Videoprojektion ist ein Plädoyer fürs Hinschauen

Heinz Keller hat mit Carlo Gamma und Beat Föllmi eine Suite für Saxofon, Perkussion und Videokamera geschaffen. Die Videoprojektion ist nun abends im Häuschen der Schiffstation an der Isleten zu sehen.

Markus Zwyssig
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Heinz Keller zeigt im Häuschen der Schiffstation an der Isleten eine frei zugängliche Videoprojektion mit Musik von Carlo Gamma und Beat Föllmi.

Heinz Keller zeigt im Häuschen der Schiffstation an der Isleten eine frei zugängliche Videoprojektion mit Musik von Carlo Gamma und Beat Föllmi.

Bild: Markus Zwyssig (Isleten, 9. September 2021)

Die Schiffsstation an der Isleten ist ein lauschiger Ort. Die Aussicht über den Vierwaldstättersee rüber zur Axenstrasse beeindruckend. Nähert man sich dem Häuschen, sind Saxofon- und Perkussionsklänge zu hören. Auf die weisse Wand projiziert sind Naturaufnahmen zu sehen, wie beispielsweise ein vom Föhn verursachter Wirbel im Wasser des Vierwaldstättersees in der Nähe des Rütlis. Eine Möwe, drollige Pinguine und Eisbären rücken ins Bild. Dann gibt es fasnächtliche Gestalten, einen Umzug der Feuerwehr, ein Mann, der auf einem Boot ein Nickerchen macht oder eine Braut, die etwas in einen Abfalleimer wirft. Die Betrachterin oder der Betrachter kann nur mutmassen, ob es der Ehering ist, den sie bereits wieder loswerden will.

Wer die Videoprojektion sehen will, muss wissen, wo sie zu finden ist. Vor Ort an der Isleten gibt es weder Plakat noch Tafel. Nichts weist auf die Arbeit hin. Trotzdem halten immer wieder Passanten, meist Velofahrerinnen und Velofahrer, um die Videoinstallation zu betrachten. Sie verweilen im Häuschen und diskutieren miteinander über die gezeigten Filmaufnahmen und die Musik.

Mit dem Handy den Alltag festgehalten

Heinz Keller, ehemaliger Leiter im Theater Uri, hat die kurzen Filme bei seinen vielen Reisen kreuz und quer durch die Welt aufgenommen. «Ich habe einfach den Alltag festgehalten», sagt er. Rund 150 Filme sind in den vergangenen zehn Jahren entstanden. Bei den Aufnahmen suchte er nach dem richtigen Ausschnitt, hielt sein Handy ruhig – ohne Schwenker oder Zoomen. «Die Aufnahmen sind nicht spektakulär, aber ab und zu sehr witzig», so Keller. Oft half ihm der Zufall, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Für ihn ist die Videoprojektion an der Isleten «ein Plädoyer fürs Hinschauen».

Die Coronakrise war zwar eine schwierige Zeit, sie brachte aber auch die nötige Musse, um den eigenen Interessen nachzugehen. Carlo Gamma hatte als Musiker gezwungenermassen wenig zu tun. Heinz Keller wollte ebenfalls die Pandemie ein bisschen aus dem Fokus rücken. So entstand die Idee für die Suite für Saxofon, Perkussion und Videokamera. Mit Beat Föllmi fanden sie den Dritten im Bunde. Fleissig wurden Filmchen und Musiksequenzen hin und her geschickt. Es dauerte seine Zeit, bis schliesslich die Reihenfolge der Filmsequenzen klar und auch die passende Musik aufgenommen war.

Rund ein Jahr brauchte Heinz Keller, bis er alle notwendigen Bewilligungen von den zuständigen Stellen, insbesondere von der Schifffahrtsgesellschaft und den Gemeinden, beisammen hatte. Dabei fügt er aber an, dass der Umgang mit den verantwortlichen Stellen sehr unkompliziert gewesen sei.

15-minütiger Film startet, wenn es dunkel wird

Die Videoprojektion ist frei zugänglich. Zu sehen ist sie jeweils ab 18 Uhr, denn erst dann ist es dunkel genug, um den 15-minütigen Film zu zeigen. Weil es nun wieder langsam früher dunkel wird, ist die Videoprojektion ab dem 18. September ab 17.30 Uhr zu sehen. Die Vorführungen dauern bis 22 Uhr. Unterstützt wurde das Projekt vom Kanton, von der Dätwyler Stiftung sowie von den Gemeinden Seedorf und Isenthal.

Hinweis: Die frei zugängliche Videoprojektion im Häuschen an der Schiffstation an der Isleten ist bis zum 4. Oktober zu sehen.