Kirchenchor
18. Orgelnacht in Altdorf: Auch Jugendliche lassen sich für geistliche Musik begeistern

Lea Ziegler Tschalèr und Aaron Tschalèr leiten seit elf Jahren den Jugendchor St. Martin. Momentan bereitet sich dieser auf die Orgelnacht vom 20. November vor.

Jana Arnold
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Möchte man einen stimmungsvollen Kirchenbesuch geniessen, empfiehlt es sich, am Donnerstagabend nach 19 Uhr die Pfarrkirche St. Martin in Altdorf aufzusuchen. Von allen Seiten her hallen schöne Klänge, von der kirchlichen Akustik optimal unterstützt. Visuell sind die Produzenten dieser Klänge nicht auszumachen – der Jugendchor St. Martin probt auf der Empore. Lea Tschalèr Ziegler sitzt an der Orgel, Aaron Tschalèr dirigiert. Vor ihnen stehen 15 Jugendliche und junge Erwachsene und singen im Sopran, Alt, Tenor oder Bass. Das älteste Mitglied ist 31 Jahre alt, das jüngste erst gerade 13.

Dirigent Aaron Tschalèr und Organistin Lea Tschalèr Ziegler sind mittlerweile ein eingespieltes Team. Gemeinsam musizieren sie auch im Cäcilienverein Altdorf.

Dirigent Aaron Tschalèr und Organistin Lea Tschalèr Ziegler sind mittlerweile ein eingespieltes Team. Gemeinsam musizieren sie auch im Cäcilienverein Altdorf.

Bild: Jana Arnold (Altdorf, 11. November 2021)

Wie lässt man sich in diesem Alter für Kirchenmusik begeistern? Das jüngste Mitglied war mit der Musikrichtung bereits zuvor vertraut, wie sie verrät:

«Meine Mutter ist Musiklehrerin und ich höre gerne klassische Musik und Kirchenmusik.»

Anderen mussten sich aber erst etwas herantasten. Ein etwas älteres Mitglied berichtet, vorerst skeptisch gewesen zu sein. «Als wir jedoch zu singen begannen, gefiel mir die Musik sehr. Es spielte keine Rolle mehr, dass wir Kirchenlieder sangen.» Organistin Ziegler bestätigt den Eindruck: «Ich glaube nicht, dass die Begeisterung für diese Musik von Anfang an immer riesig ist. Aber bei diesen schönen Klängen vergisst man irgendwann, welche Stilrichtung man singt.»

Marktlücke erkannt

Und dann bleibt man auch dabei: Unter den Sängerinnen und Sängern sind zahlreiche langjährige Mitglieder. Vier davon sind bereits seit der Gründung des Jugendchors dabei und schätzen nach wie vor die Musik, aber auch den Zusammenhalt im Chor. Die beiden Gründer und heutigen Leiter konnten seit 2010 stets eine Truppe aus 18 bis 20 Sängerinnen und Sängern zusammenstellen.

Bereit für ihren ersten Auftritt nach der Pandemie: Der Jugendchor St. Martin mit Dirigent Aaron Tschalèr.

Bereit für ihren ersten Auftritt nach der Pandemie: Der Jugendchor St. Martin mit Dirigent Aaron Tschalèr.

Bild: Jana Arnold
(Altdorf, 11. November 2021)

Damals sei beiden aufgefallen, dass eine Lücke bestehe zwischen dem Kinderchor der Musikschule und den klassischen Kirchenchören. «Wir wollten ein Angebot für Jugendliche auf die Beine stellen», so Ziegler. Auch das Programm des Jugendchors sieht die Musikerin als eine Art Zwischenschritt vom Kinder- zum Kirchenchor. «Ich sehe uns nicht als Kirchenchor im klassischen Sinn.» Denn obwohl man vorwiegend geistliche Lieder singe, seien auch immer wieder Anlässe mit Volksliedern geplant. So zum Beispiel das «Riis unt Choor», bei dem Gesang mit Risottoessen verbunden wird. Ein solcher Event soll im nächsten April wieder durchgeführt werden.

Junge Stimmen für den besonderen Klang

Zunächst steht jedoch noch die 18. Orgelnacht am 20. November bevor. Auf was dürfen sich die Zuhörerinnen und Zuhörer besonders freuen? Ziegler verrät:

«Das besondere am Projekt und am Jugendchor allgemein sind die klaren, hellen Stimmen. Diese unterscheiden sich doch deutlich von den Stimmen älterer Personen.»

So gibt es beim Jugendchor denn auch eine ungefähre Altersgrenze: Etwa 40 Jahre alt dürfen die Mitglieder maximal sein. «Dementsprechend haben wir auch vor einigen Jahren unseren Namen in ‹Jugendchor St. Martin› geändert», erklärt Ziegler.

«Jesu, dulcis memoria» wird am kommenden Samstag in der St.-Martins-Kirche als erstes Lied erklingen – nach dem ersten Orgel-Konzert. Es handelt sich um einen lateinischen Lobgesang aus dem Jahr 1200. Anschliessend führt Dirigent Aaron Tschalèr mit dem Taktstock über Motteten, mittelalterliche Gesänge und isländische Hymnen bis zu einem lateinischen Kirchenlied, das erst vor einigen Jahren komponiert wurde. Anschliessend gibt es zwei weitere Orgel-Konzerte, bei denen unter anderem junge Organistinnen und Organisten auftreten.