kanton uri
Entgegen dem Antrag der Regierung: Urner Landrat spricht sich für Fussgängertunnel am «Weg der Schweiz» aus

Die Motion von alt Landrat Anton Infanger (SVP, Seedorf) erhält breite Unterstützung im Parlament. Der Landrat stimmte fast einstimmig für die teilweise Überweisung.

Carmen Epp
Drucken
Zwischen Isleten und Bauen führt ein Teil des «Wegs der Schweiz» seit fast zehn Jahren durch einen Autotunnel.

Zwischen Isleten und Bauen führt ein Teil des «Wegs der Schweiz» seit fast zehn Jahren durch einen Autotunnel.

Bild: Urs Hanhart (Bauen, 16. März 2022)

Seit einem Felssturz 2013 im Bereich des Harderbands bei Bauen ist der «Weg der Schweiz» am Urnersee wegen Steinschlaggefahr nicht mehr komplett begehbar. Stattdessen müssen Wanderer zwischen Bauen und Isleten eine Strecke von zirka 450 Metern in einem Autotunnel zurücklegen.

Nach Vorstössen des damaligen SVP-Landrats aus Bauen, Anton Infanger, im Jahr 2015 wurden zwei Tunnelprojekte vorgeschlagen: ein 160 Meter langer Fussgängertunnel und eine kürzere Variante. Im Mai 2020 forderte Infanger mit einer Motion, dass der kürzere Tunnel realisiert und das 2007 verschüttete Nordportal als Lichtfenster zum See hin geöffnet werden soll. Die Urner Regierung jedoch beantragte, die Motion nicht zu überweisen. Die Gründe: Der kurze Tunnel komme aus Sicherheitsgründen nicht in Frage, die zweite Variante wäre mit Kosten von 1,15 Millionen Franken zu teuer.

Mit dieser Haltung stand der Regierungsrat an der Landratssession vom 30. März jedoch ziemlich alleine da. Landrätinnen und Landräte aus allen Fraktionen meldeten sich zu Wort und hielten teilweise flammende Reden über die Bedeutsamkeit des «Wegs der Schweiz» für Uri.

Wertschöpfung für Urner Seegemeinden hervorgehoben

Der Wanderweg erfreue sich auch nach über 30 Jahren grosser Beliebtheit und werde rege genutzt, hielt Andreas Bilger (CVP/Mitte, Seedorf) als Zweitunterzeichner und namens der CVP/Mitte-Fraktion fest.

«Er wird von vielen auswärtigen Besucherinnen und Besuchern begangen und trägt vor allem auch zur lokalen Wertschöpfung bei.»

Aktuell werde der Wegabschnitt zwischen Flüelen und Seedorf von jährlich 350'000, derjenige zwischen Bauen und Isleten von 40'000 Personen begangen. «Es besteht somit durchaus ein grösseres Potenzial für diesen Wegabschnitt, wovon auch der Ortsteil Bauen sowie die Gemeinde Seelisberg profitieren können», sagte Bilger.

André Hafner (FDP, Seelisberg) rechnete vor, was der «Weg der Schweiz» den Seegemeinden und der Region wirtschaftlich einbringt: So gebe ein Tagestourist gemäss einer Studie von BAK Basel im Durchschnitt 83 Franken pro Tag aus. Bei über 200'000 Besuchern pro Jahr werde so ein Umsatz von 16,6 Millionen Franken generiert – «für viele KMU und Gemeinden im Kanton Uri eine wichtige Einnahmequelle», so Hafner.

Vor über 30 Jahren sei der «Weg der Schweiz» von den Schweizer Kantonen mitgestaltet und finanziert und danach von der gleichnamigen Stiftung unterhalten worden. Nach der Auflösung der Stiftung 2019 habe der Kanton Uri 2,2 Millionen geschenkt bekommen, damit der Wanderweg weiterhin unterhalten wird. Hafner folgerte daher:

«Also hat der Kanton Uri von den Schweizer Kantonen einen Wanderweg geschenkt bekommen, der dem Kanton Uri die letzten 30 Jahre schon sehr viel wirtschaftliche Wertschöpfung und Bekanntheit gebracht hat.»

Dass die Regierung jetzt nicht bereit sei, 1,15 Millionen Franken in die Hauptattraktion der Urner Seegemeinden zu investieren, sei unverständlich. Das bestätigte auch Andreas Gisler (CVP/Mitte, Seedorf). Für jene, die an der Verhältnismässigkeit zweifeln, erinnerte er daran, dass sich der Kanton Uri mit 600'000 Franken am neuen Felsentunnel Ruosalp/Alplen beteiligte, wo jeden Sommer 200 Rinder zur Alp gehen – und hielt fest: «Ich denke, wir können ohne schlechtes Gewissen auch den Wegabschnitt zwischen Isleten und Bauen sanieren.»

Ein Schild warnt vor dem Tunnel Harderband vor Fussgängern auf dem «Weg der Schweiz».

Ein Schild warnt vor dem Tunnel Harderband vor Fussgängern auf dem «Weg der Schweiz».

Bild: Urs Hanhart (Bauen, 16. März 2022)

Dem pflichtete auch Vinzenz Arnold (SVP, Schattdorf) namens seiner Fraktion zu. Dass der Wegabschnitt in den Strassentunnel verlegt wurde, sei nicht rechtens und schon gar kein angemessener Ersatz. «Ganz, ganz viele Wandernde stören sich an dieser Lösung.» Auch Viktor Nager (SP/Grüne, Schattdorf) drückte namens seiner Fraktion sein Bedauern darüber aus, «dass ausgerechnet eine der eindrücklichsten Passagen» des Wegs nicht mehr mit Freude begehbar sei. Der Wegabschnitt müsse wieder attraktiver werden. Ob die vorgeschlagene Tunnelvariante das Ei des Kolumbus sei, könne er nicht beurteilen.

Tunnel durch andere Tunnel ersetzt

Der Regierungsrat sei sich durchaus bewusst, was der «Weg der Schweiz» für die Attraktivität des Kantons bedeute, hielt Justizdirektor Daniel Furrer (CVP) fest. Es sei auch nicht der Regierungsrat gewesen, der den Weg in den Autotunnel verlegt hat, sondern die damals noch aktive Stiftung, die es auch nicht in Erwägung gezogen habe, einen Umgehungstunnel zu machen. Der dem Kanton Uri überlassene Fonds mit aktuell 2,6 Millionen Franken dürfe nur für den Unterhalt des Weges gebraucht werden, der den Kanton jährlich rund 250'000 Franken koste.

Ausserdem könne die Motion in ihrem Wortlaut ohnehin nicht umgesetzt werden, da der kürzere Tunnel aufgrund eines geologischen Gutachtens aus Sicherheitsgründen gar nicht realisiert werden darf. Möglich wäre also lediglich die rund 170 Meter lange Tunnelvariante.

«Und wer eine Attraktivitätssteigerung fordert, sollte bedenken, dass damit der Weg lediglich von einem Tunnel in den anderen verlegt wird. Mit dem Unterschied, dass im neuen Tunnel keine Autos entgegenkommen.»

Damit vermochte Furrer die Stimmung aber nicht mehr zu kippen. Mit Ausnahme von Georg Simmen (FDP, Realp), der die Idee als «Quatsch» bezeichnete, sprachen sich alle Votanten für die Motion aus. So wurde der Teil der Motion, der forderte, das Vorprojekt eines Fussgängertunnels weiterzubearbeiten, nach einem Antrag von Elias Arnold (SVP, Altdorf) im Sinne der regierungsrätlichen Antwort – also dass nur die längere Tunnelvariante machbar wäre – zur Abstimmung gebracht. Dabei sprachen sich 54 zu 2 Stimmen (1 Enthaltung) für die teilweise Überweisung aus.