Kanton Uri
Nun feiern Bauen und Seedorf ihre Fusion

Am kommenden Wochenende wird der historische Zusammenschluss mit einem Fest gewürdigt.

Bruno Arnold
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Im zweiten Anlauf soll es nun klappen: Die Einwohnerinnen und Einwohner von Bauen und Seedorf erhalten am kommenden Wochenende Gelegenheit, den per 1. Januar 2021 erfolgten Zusammenschluss der beiden Gemeinden gebührend zu feiern. «Wir haben keinen Aufwand gescheut, um der Bevölkerung am Samstag in Seedorf und am Sonntag in Bauen ein abwechslungsreiches Programm bieten zu können, das für Kinder, Jugendliche und Erwachsene einiges bietet», sagt OK-Präsident und Gemeindevizepräsident Adrian Infanger. Aufgrund der Pandemie hatte das OK des Fusionsfests im Juni 2021 beschlossen, den Anlass auf den Herbst 2022 zu verschieben.

«Unser Ziel war es von Anfang an, am Fusionsfest die Möglichkeit zum gegenseitigen Kennenlernen ins Zentrum der Festivitäten zu stellen», so Infanger. «Dabei wollten wir nicht nur eine Plattform für interessante zwischenmenschliche Begegnungen und Gespräche zwischen Jung und Alt aus beiden Ortsteilen schaffen, sondern auch das Kennlernen von Infrastrukturen, Sehenswürdigkeiten und speziellen Attraktionen ermöglichen, die üblicherweise nicht öffentlich zugänglich sind.» Unter anderem können am Samstag in Seedorf das Kraftwerk Palanggenbach und das Feuerwehrlokal besucht werden.

Der Grossteil der Angebote kann mit dem Shuttlebus erreicht werden, der zwischen den verschiedenen Stationen zirkuliert. Im Weiteren stehen am Sonntag Führungen durch das Dorf Bauen und durch das Areal der Isen AG auf dem Programm. «Ich bin überzeugt, dass grosse Teile der Bevölkerung diese zum Teil einmaligen Gelegenheiten schätzen und entsprechend nutzen werden», glaubt Infanger. Sämtliche Attraktionen und auch die Schuttle-Angebote zwischen den beiden Orten sind für die Festbesucher kostenlos.

Einheimisches Schaffen präsentieren

Dem OK war es von Anfang an ein Anliegen, auf einheimisches Schaffen zu setzen. Statt eine «teure Riesennummer» zu engagieren, entschied man sich bewusst, den Exponenten des kulturellen Lebens in Seedorf und Bauen eine Chance zu bieten. Die Palette reicht von verschiedenen Ländlerkapellen über den Tambourenverein Uri und mehrere Blasmusikformationen bis hin zu einer Rock-Pop-Band. «Sie alle sollen dafür sorgen, dass die Besucherinnen und Besucher in gemütliche Feststimmung versetzt werden», erklärt der OK-Chef.

Am Samstag wird der Bevölkerung von Seedorf und Bauen auch eine Führung durch die Produktionsstätten der Gipo AG angeboten.

Am Samstag wird der Bevölkerung von Seedorf und Bauen auch eine Führung durch die Produktionsstätten der Gipo AG angeboten.

Bild: Valentin Luthiger/PD

«Besonders gefreut hat mich nicht nur die spontane Zusage der Musikformationen, sondern auch der vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer, die sich hauptsächlich aus den Seedorfer und Bauer Dorfvereinen rekrutieren. Sie leisten mit ihrem Engagement einen wesentlichen Beitrag, damit gerade auch die personalintensiven Auf- und Abbauarbeiten sowie die Festwirtschafts- und Barbetriebe funktionieren können respektive dass an beiden Tagen für das leibliche Wohl der Gäste gesorgt ist.» Unter anderem werden am Samstag in der Rollhockeyhalle in Seedorf ein Mittag- und ein Nachtessen sowie am Sonntag im Mehrzweckgebäude in Bauen ein Mittagessen zu einem «angemessenen Preis» angeboten.

Offizielle Festakte in Seedorf und Bauen

In beiden Ortsteilen ist am kommenden Wochenende ein Festakt mit einem Gratis-Apéro für die Bevölkerung und die geladenen Gäste sowie mit Ansprachen von Gemeinde- und Kantonsvertretern geplant. In Seedorf beginnt dieser offizielle Teil am Samstag um 17 Uhr in der Rollhockeyhalle, in Bauen am Sonntag ab zirka 11 Uhr vis-à-vis der SGV-Schiffstation.

«Wir sind für den Grossanlass gerüstet», sagt Infanger. «Nun hoffen wir natürlich, dass das OK für seine intensive Vorbereitungsarbeit mit einem Grossaufmarsch der interessierten Bevölkerung aus Seedorf und Bauen belohnt wird.»

Innert drei Jahren unter Dach und Fach

Der Anstoss kam aus Bauen: Im November 2016 erteilten die Einwohner dem Gemeinderat mit überwältigendem Mehr die Kompetenz, mit den Verantwortlichen in Seedorf über eine gemeinsame Zukunft der beiden Gemeinden zu verhandeln. Im Mai 2017 sprachen sich auch die Seedorfer an der Gemeindeversammlung für die Erarbeitung von Entscheidungsgrundlagen und für detaillierte Abklärungen aus.

Am 20. Oktober 2019 konnten die Stimmberechtigten dann über den Fusionsvertrag befinden. Dabei handelte es sich um einen geschichtsträchtigen Urnengang, wurde doch an diesem Tag der erste Zusammenschluss von zwei politischen Gemeinden im Kanton Uri beschlossen. Die Seedorfer sprachen sich mit einem Ja-Anteil von 80 Prozent für die Fusion aus, in Bauen waren es knapp 70 Prozent.

Seit dem 1. Januar 2021 bilden die zwei Orte am Urnersee auf politischer und verwaltungstechnischer Ebene eine Einheit. Dass der Zusammenschluss derart schnell erfolgen konnte, war auch der Tatsache zuzuschreiben, dass die beiden Gemeinden seit vielen Jahren und in verschiedenen Bereichen eng zusammengearbeitet hatten. So besuchen die Schüler aus Bauen seit Jahren die Schulen in Seedorf, und 2009 wurde auch die Verwaltung der Gemeinde Bauen in die Verwaltungsorganisation der Gemeinde Seedorf integriert. (bar)