Kanton Uri
Regierungsrat lehnt Einsprache gegen Flusskraftwerk im Meiental ab

Die Centralschweizerische Kraftwerke AG will an der Meienreuss ein neues Kraftwerk erstellen. Die Urner Umweltverbände halten andere Lösungen für sinnvoller.

Lucien Rahm
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So viel Energie, wie rund 7100 durchschnittliche Vier-Personen-Haushalte verbrauchen, soll es liefern: das Kraftwerk an der Meienreuss in Wassen, welches die Centralschweizerische Kraftwerke AG (CKW) zusammen mit lokalen Partner für rund 37 Millionen Franken bauen will. Nun scheint die CKW der Verwirklichung ihres Plans einen Schritt näher gekommen zu sein. Der Urner Regierungsrat hat nämlich am 5. Juli eine Einsprache gegen das Kraftwerk abgewiesen, wie das Energieunternehmen am Freitag mitteilte.

Die Zentrale des geplanten Kraftwerks im Meiental würde angrenzend an die bestehende Infrastruktur des Kraftwerks Wassen (im Bild) gebaut.

Die Zentrale des geplanten Kraftwerks im Meiental würde angrenzend an die bestehende Infrastruktur des Kraftwerks Wassen (im Bild) gebaut.

Bild: PD

Diese Einsprache haben die beiden Umweltverbände WWF und Pro Natura im Jahr 2018 im Auftrag des Urner Umweltrats eingereicht, als die CKW ihre Konzession von 1944 für die Nutzung der Meienreuss erneuern lassen wollte. «Das geplante Kraftwerk widerspricht jeglicher Vernunft», hiess es damals vom WWF Uri. «Wir fordern den Regierungsrat dazu auf, dem Projekt die Konzession zu verweigern. Weder ist ein weiteres Kraftwerk nötig, noch lässt sich ein solches im Meiental rechtfertigen.» Stattdessen schlugen die Umweltverbände vor, bei mehr Energiebedarf die Staumauer des Göscheneralpsees zu erhöhen.

Mit seinem Entscheid habe der Regierungsrat nun «ein wichtiges Zeichen für die Energiewende gesetzt», schreibt die CKW in ihrer Mitteilung. Denn: Ein rascher Ausbau der erneuerbaren Energien in der Schweiz sei «nötiger denn je». Weiter heisst es: «Der Stromhunger in der Schweiz wird grösser, die Verlässlichkeit auf Stromimporte aus dem Ausland schwindet und ein Drittel der jährlichen inländischen Stromproduktion wird mit dem Ausstieg aus der Kernenergie wegfallen.»

Weiterzug würde «massive Verzögerung» bewirken

Weniger Freude herrscht dagegen bei den Gegnern des Kraftwerks. «Wir sind enttäuscht, dass der Regierungsrat die Situation anders einschätzt als wir», sagt Fabian Haas, Geschäftsführer des WWF Uri, auf Anfrage. Ob man den Entscheid des Regierungsrates weiterzieht, werde man nun prüfen.

Denn mit diesem können die Umweltverbände nun ans Urner Obergericht gelangen. Dies würde aber «eine massive Projektverzögerung auslösen», so die CKW weiter. Ihr CEO Martin Schwab lässt sich in der Mitteilung wie folgt wiedergeben: «Im Sinne der Energiewende und angesichts der aktuellen Energiekrise muss es möglich sein, dass wir solch wichtige Projekte von nationaler Bedeutung zügig realisieren können.» Er hoffe, dass auch die Umweltverbände «den Ernst der Lage» erkannt hätten. «Man kann nicht für die Energiewende, den Ausbau erneuerbarer Energien und mehr Klimaschutz sein und gleichzeitig wichtige Projekte blockieren», wird Schwab weiter zitiert.

Braucht es das Kraftwerk fürs Ausbauziel des Kantons?

Dem hält Haas entgegen, dass das geplante Kraftwerk vor allem im Sommer Strom liefern würde. Mit Fotovoltaik und Windenergie sei während der Sommermonate aber bereits für genügend Strom gesorgt. Beim Stichwort Energiekrise geht es jedoch vorwiegend um den Winter, während dessen es zu Stromengpässen kommen könnte. «Daher wäre es viel sinnvoller, die Staumauer des Göscheneralpsees zu erhöhen. Dadurch könnte man wertvollen Strom im Winter produzieren», so Haas. Denn dort bestehe im Gegensatz zur Meienreuss bereits eine Infrastruktur. «Die Meienreuss ist wirklich eine Gewässerperle, die man nicht verstromen sollte. Stattdessen sollte man die einzigartige ökologische Vielfalt erhalten.»

Weiter schreibt die CKW, aufgrund der angestrebten Produktionsmenge von 32 Gigawattstunden pro Jahr gelte das Kraftwerk Meiental gemäss Schweizer Energiegesetz als «Kraftwerk von nationaler Bedeutung». Das nationale öffentliche Interesse an einer sicheren Stromproduktion gehe daher regionalen Schutzinteressen vor. Ausserdem sei es für den Kanton Uri ohne das Kraftwerk im Meiental nicht möglich, sein gesetztes Ausbauziel der eigenen Energieproduktion von jährlichen 150 Gigawattstunden zu realisieren, schreibt die CKW weiter.

Demgegenüber sagt WWF-Vertreter Haas, dass nicht nur die Erhöhung der Göscheneralpsee-Staumauer Potenzial bieten würde, sondern solches vor allem auch bei der Fotovoltaik brachliege. «Es gibt in Uri ganz viele Flächen, die für die Produktion von Sonnenstrom genutzt werden können: so etwa Dächer, Fassaden, Lärmschutzwände oder die A2-Autobahnen. Hier sollte jetzt rasch vorwärtsgemacht werden», sagt Haas. Das sei einiges naturverträglicher, als die «letzten noch unberührten Gewässer» zu verbauen.