Kanton Uri
«Stürze sind vermeidbar»: Die erste Fach- und Vernetzungsveranstaltung beschäftigte sich mit der Sturzprävention im Alter

Die Gesundheitsförderung Uri hat Fachpersonen aus dem Bereich Gesundheit und Pflege zur Veranstaltung eingeladen. Das Ziel: Die Expertinnen und Experten darüber informieren, wie sie in ihrem Arbeitsalltag zur Prävention zur Vermeidung altersbedingter Stürze beitragen können.

Claudia Naujoks
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Die 43 angemeldeten Fachpersonen aus den Bereichen Physiotherapie, Ergotherapie, Pflege, medizinische Praxisassistenz und Fachangestellte Gesundheit erhielten zunächst einen Überblick in einem Fachvortrag.

Die 43 angemeldeten Fachpersonen aus den Bereichen Physiotherapie, Ergotherapie, Pflege, medizinische Praxisassistenz und Fachangestellte Gesundheit erhielten zunächst einen Überblick in einem Fachvortrag.

Bild: Claudia Naujoks (Altdorf, 11. November 2021)

88'000 Stürze passieren jährlich in der Schweiz. Menschen ab 65 erleiden 12'000 pro Jahr Hüftbrüche – unter anderem diese Zahlen gaben Anlass zu der von der Gesundheitsförderung Uri am vergangenen Donnerstag im Neuland 1 in Altdorf durchgeführten Fach- und Vernetzungsveranstaltung zum Thema Sturzprävention. Nach dem Grusswort des Gesundheitsdirektors Christian Arnold und einer kurzen Ansprache von der Programmleiterin «Gesund ins Alter» von der Gesundheitsförderung Uri Eveline Lüönd zeigte Daniel Eschle, Leitender Arzt für Neurologie am Kantonsspital Uri, auf, dass nach einem Sturz die Gefahr besteht. Dass der Patient in eine sogenannte Negativspirale von Sturzangst, Rückzug, Mobilitätsverlust, Kraftverlust gerät. Diese Umstände können dann wieder zum Sturz führen.

Aber vor allem auch der Verlust der Selbstständigkeit ist eine einschneidende Folge für die Betroffenen. «Sehr erschreckend ist, dass nach einem Jahr ein Viertel der Patienten mit Schenkelhalsbrüchen verstorben sind», sagt Daniel Eschle. Deshalb müssten Stürze vermieden werden. Und:

«Stürze sind vermeidbar.»

Deshalb sei es wichtig, dass die Menschen zum Beispiel in der Hausarztpraxis daraufhin befragt werden, denn oft würden Stürze dort nicht erwähnt, weil die Senioren ihnen keine Bedeutung beimessen, wenn sie glimpflich verlaufen sind.

Während des Laufens – vorwärts und rückwärts – den Ball hin- und herwerfen ist gar nicht so einfach, trainiert aber die Fähigkeit des Dualtasks.

Während des Laufens – vorwärts und rückwärts – den Ball hin- und herwerfen ist gar nicht so einfach, trainiert aber die Fähigkeit des Dualtasks.

Bild: Claudia Naujoks (Altdorf, 11. November 2021)

Vier Workshops informieren über präventive Massnahmen

Aus den vier angebotenen Workshops konnten sich die 43 angemeldeten Besucher je zwei aussuchen. Die Workshops zu den Themen, welche Stolperfallen oder andere Sturzumstände in der Wohnumgebung auftreten können und wie sie zu bekämpfen sind, welche Tests zum Aufzeigen der Gangsicherheit durchgeführt werden können und wie Senioren ihre Gangsicherheit trainieren beziehungsweise die Pflegenden sie dabei begleiten können. Im dritten Workshop konnten die Fachpersonen erfahren, welche Rolle die Ernährung bei der Sturzprävention spielt sowie wann und wo Schwindel auftritt als Ursache von Stürzen und in welchem Zusammenhang Medikamente damit stehen.

«Da Medikamente eine Rolle spielen bei der Sturzprävention, ist es wichtig, die Medikation regelmässig zu überprüfen und anzupassen», resümiert Daniel Eschle in seinem Vortrag und plädiert dafür, die Durchführung einer Anamnese und Tests zur Prüfung der Sturzgefährdung von Menschen ab 75 Jahren in den Hausarztpraxen zu etablieren und in die Routine aufzunehmen. Jüngere Personen sollen nach Stürzen befragt werden, wenn sie über über Gangunsicherheit oder Schwindel klagen oder an einer Krankheit leiden, welche die Gangsicherheit beeinträchtigt.

Die Ernährung spielt eine zentrale Rolle

Im Ernährungsworkshop weist der Ernährungsberater vom Kantonsspital Uri Patrik Jauch darauf hin, dass körperliche Schwäche wegen unzureichender Ernährung das Sturzrisiko erhöht. Deshalb sei es wichtig, Anzeichen einer Mangelernährung wie zum Beispiel anhand des Befüllungszustands des Kühlschranks oder auch der Essgewohnheiten im Tagesrhythmus zu erkennen. Aber auch mangelnder Appetit sei nicht zu unterschätzen. Die Workshopteilnehmer trugen Lösungsansätze zusammen, wie sie den Menschen das Essen wieder schmackhaft machen könnten, wie etwa Vorlieben abfragen, in Gesellschaft essen oder zusammen kochen.

Andrea Schuler Müller und Evelyne Wicki, beide Physiotherapeutinnen, demonstrieren die Hilfe zum Aufstehen ohne Kraftanwendung, damit die Senioren möglichst aus eigener Kraft mobil sind.

Andrea Schuler Müller und Evelyne Wicki, beide Physiotherapeutinnen, demonstrieren die Hilfe zum Aufstehen ohne Kraftanwendung, damit die Senioren möglichst aus eigener Kraft mobil sind.

Bild: Claudia Naujoks (Altdorf, 11. November 2021)

Im Kurs für das Test-Screening, inwieweit ein über 65-Jähriger oder eine über 65-Jährige sturzgefährdet ist, von Andrea Schuler Müller und Evelyne Wicki – beide Physiotherapeutinnen – sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer so schnell sie können fünf Mal vom Stuhl aufstehen und sich wieder setzen. «Wenn das länger als 15 Sekunden dauert, ist eine höhere Sturzgefahr gegeben», erklärt die Pflegefachfrau Sarah Gnos, die mit ihrer Partnerin Tanja Bissig die Übung durchgeführt hat. Diese erklärt: «Intuitiv hat man den Impuls, zu helfen, wenn ein älterer Mensch versucht, vom Stuhl aufzustehen, aber diesem sollte man als Pflegeperson widerstehen, sondern nur an den Händen berühren ohne Kraftübertragung.» Wichtig sei das Trainieren der eigenen körperlichen Stärke und Mobilität, sodass der Gefahr eines Sturzes entgegengewirkt werde.

Im Workshop von Andri Cavegn, Ergotherapeut, erarbeiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Lösungen für die sturzgefährdende Wohnsituation. Zum Beispiel sollen unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten, wenn die Böden schon nicht ausgetauscht werden können, dann wenigstens auffällig mit einem farbigen Klebeband optisch markiert werden, damit die Sturzgefahr minimiert wird. Der Referent schlägt vor, Räume wenn möglich umzunutzen und dass die Böden in Räumen, die häufig genutzt werden, möglichst gleich sein sollen.

Hinweis: Weitere Informationen unter www.gesundheitsfoerderung-uri.ch