Genug vom Stau
Megaverkehr am Gotthard: FDP-Landrat will alle Urner Autobahnausfahrten sperren

Georg Simmen (Realp) schlägt vor, sämtliche Autobahnausfahrten für den Transitverkehr zu sperren. Die Regierung soll diese Möglichkeit prüfen.

Markus Zwyssig
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«So geht es nicht mehr weiter!», schreibt Georg Simmen (FDP, Realp) zu seiner Kleinen Anfrage, die er dem Regierungsrat eingereicht hat. Der Grund für seinen Ärger: Praktisch jedes Wochenende seit Ostern und während der Hauptreisezeit in den Sommerferien auch unter der Woche ist die Kantonsstrasse von Altdorf bis auf den Gotthardpass überfüllt mit Autos, Wohnmobilen, Wohnwagen und Reisebussen. Der Verkehr in Richtung Süden hat in diesem Sommer gemäss aktuellen Erhebungen im Vergleich zum Jahr 2019 um 31 Prozent zugenommen.

Durch den Stau auf der Autobahn gibt es auch auf der Kantonsstrasse, insbesondere durch Wassen kaum noch ein Durchkommen für die Einheimischen, die Blaulichtorganisationen und den Bus.

Durch den Stau auf der Autobahn gibt es auch auf der Kantonsstrasse, insbesondere durch Wassen kaum noch ein Durchkommen für die Einheimischen, die Blaulichtorganisationen und den Bus.

Bild: Florian Arnold (Wassen, 23. Juli 2022)

Die Urner Ständerätin Heidi Z’graggen hat daher bereits eine Interpellation eingereicht, in der sie unter anderem fordert, dass der Pannenstreifen für die Urner Bevölkerung reserviert wird, dass man die Kantonsstrasse zeitweise sperrt oder bestimmte Fahrzeuge nicht auf der Kantonsstrasse fahren dürfen, weil sie Stau verursachen.

Simmen will «tiefgreifende und tatsächlich wirksame Massnahmen»

Landrat Georg Simmen.

Landrat Georg Simmen.

Archiv UZ

Auch Landrat Georg Simmen findet nun, dass die Situation so nicht länger hingenommen werden kann. Seine Kleine Anfrage an die Regierung ist denn auch in enger Zusammenarbeit mit der IG Lebenswertes Wassen beziehungsweise anderen Betroffenen aus dem Urner Oberland entstanden. Folgende Massnahmen fordert er:

  • Es ist zu prüfen, ob eine Sperrung/Dosierung ab sämtlichen Autobahnausfahrten von Flüelen bis Göschenen für Ferienreisende und insbesondere ein zwingendes Abfahrtverbot für Reisebusse, LKWs und Fahrzeuge mit Anhängern umgesetzt werden kann.
  • Für den Kreisel Göschenen ist umgehend eine Lösung auszuarbeiten, die verhindert, dass bei grosser Verkehrsbelastung in beiden Richtungen die Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer in Richtung Nord durch das Dorf Wassen hindurch umgeleitet werden müssen.

«In Tirol oder in Graubünden hat man bereits Erfahrungen mit der Sperrung von Alternativstrassen zur Autobahn gemacht», so Simmen. «So sollte es doch möglich sein, auch im Kanton Uri tiefgreifendere und tatsächlich wirksame Massnahmen umzusetzen.»

Weiter stellt Georg Simmen folgende Fragen:

  • Was für Massnahmen wie die Sperrung sämtlicher Ausfahrten für Transitverkehr oder Dosierungen sind rechtlich und tatsächlich möglich, um den Verkehrsfluss bei Staulage auf der A2 auf der Kantonsstrasse aufrechtzuerhalten beziehungsweise die Transitreisenden davon abzuhalten, die Kantonsstrasse als Umfahrungsmöglichkeit zu nutzen?
  • Was für Massnahmen kann der Kanton Uri in eigener Kompetenz und welche Regelungen können nur mit Zustimmung des Bundesamtes für Verkehr (Astra) umgesetzt werden?
  • Wie weit ist die Planung einer Änderung der Verkehrssituation beim Kreisel Göschenen? Was für Alternativen zur jetzigen Lösung sind möglich beziehungsweise angedacht?

Rückreiseverkehr beschert Wassen Kolonnen in beide Richtungen

«Es ist nicht allein der Lärm und der Gestank, der den Bewohnerinnen und Bewohnern vor allem den Gemeinden im Urner Oberland zu schaffen macht», schreibt Simmen. «Vor allem ist auch ihre Sicherheit gefährdet.» Die verstopften Strassen verunmöglichten den Rettungsfahrzeugen und Notfallfahrzeugen wie Sanität, Notarzt, Feuerwehr oder Polizei ein Durchkommen. Linienbusse könnten wegen des Staus die Fahrpläne nicht mehr einhalten. Für die Dorfbevölkerung an der Kantonsstrasse sei es kaum mehr möglich, die Strasse zu queren sowie Ausflugsziele innert vernünftiger Zeit zu erreichen.

Die Gemeinde Wassen sei zudem massiv vom Rückreiseverkehr betroffen: «Wenn wegen Stau vor dem Nordportal die Kantonsstrasse stark frequentiert wird und gleichzeitig viel Rückreiseverkehr den Gotthardpass und die Schöllenen belegt, werden die Rückreisenden in Göschenen beim Kreisel nicht auf die Autobahn gelassen, sondern müssen durch Wassen fahren und können erst dort bei der Autobahneinfahrt Richtung Norden auf die A2 einspuren», so Simmen. Das verhindere, dass es noch einen grösseren Rückstau beim Kreisel Göschenen sowie in der Schöllenen und durch das Urserntal gibt, dafür hat Wassen durchgehenden Kolonnenverkehr in beide Richtungen.