Klimaschutz
Urner Gesamtenergiestrategie: VCS fordert griffige Massnahmen im Verkehr

Laut VCS Uri sollte der Regierungsrat insbesondere beim Verkehrskonzept ansetzen, um die die Ziele der Gesamtenergiestrategie 2055 zu erreichen. Der VCS hält dafür einige Ideen bereit.

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Das Velofahren im Nahverkehr attraktiver machen: Das ist einer der Lösungsansätze des VCS Uri.

Das Velofahren im Nahverkehr attraktiver machen: Das ist einer der Lösungsansätze des VCS Uri.

Bild: Florian Arnold (Attinghausen, 26. Juni 2019)

Der Regierungsrat zeigte kürzlich in einem Bericht auf, welche Zwischenziele der Gesamtenergiestrategie bis 2050 bereits erreicht wurden und welche nicht (wir berichteten). Nun nimmt die Urner Sektion des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) in einer Mitteilung dazu Stellung. «Der Klimagaskataster des Kantons Uri und seine aktualisierte Gesamtenergiestrategie zeigen, dass für den Klimaschutz vor allem beim Verkehr angesetzt werden muss», schreibt der VCS Uri. Dieser sei für mehr als die Hälfte der Klimagase und fast die Hälfte des Energieverbrauchs verantwortlich. Der VCS Uri erwartet vom Regierungsrat deshalb griffige Massnahmen in diesem Bereich.

53 Prozent der klimarelevanten Treibhausgase, die in Uri ausgestossen werden, stammen vom Verkehr – und zwar fast ausschliesslich vom Strassenverkehr. Auch nach Abzug der vom Transitverkehr ausgestossenen Klimagase bleibe der Verkehr mit 22 Prozent vor der Land- und Forstwirtschaft mit 17 Prozent und dem Gebäudesektor mit 14 Prozent der weitaus grösste Emittent. Dies gehe laut VCS Uri aus dem Treibhausgas-Kataster hervor, den der Kanton kürzlich publiziert hat.

Sparmassnahmen fast nur beim Gebäudesektor: «Das darf nicht so bleiben»

Der VCS Uri betont: «Die bisher fehlenden Massnahmen im Verkehrsbereich sind wesentlich dafür verantwortlich, dass der Kanton mit 4600 Watt im Jahr 2020 sein Zwischenziel von 4000 Watt auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft klar verfehlt hat.» Gemäss der aktualisierten Gesamtenergiestrategie würden bei der Primärenergie mehr als 40 Prozent der gesamten konstanten Leistung auf den Strassenverkehr entfallen. Zwar verbrauche der Transitverkehr mehr Energie als der einheimische Verkehr, im Gegenzug fehle in der Statistik aber der Treibstoff, den Urner Fahrzeuge ausserhalb der Kantonsgrenze verbrauchen. So sei von 2006 bis 2018 der Treibstoffverbrauch unverändert hoch geblieben, während der Verbrauch von Brennstoffen um mehr als die Hälfte zurückging. «Trotz dieser eindeutigen Ausgangslage konzentrierten sich die Energiesparmassnahmen des Kantons und des Bundes bisher fast ausschliesslich auf den Gebäudesektor», heisst es in der Mitteilung des VCS Uri weiter. «Das darf nicht so bleiben.»

Weiter merkt der VCS an: «Wenn der Regierungsrat in seinem aktuellen Regierungsprogramm schreibt, er setze vor allem auf ‹sinnvolle alternative Antriebstechnologien im öffentlichen und im privaten Bereich unter besonderer Berücksichtigung der Verwendung erneuerbarer Energie›, so greift dies jedoch zu kurz.» Und vor allem dauere die Umsetzung zu lang. Viel schneller und nachhaltiger könne das Ziel laut VSC Uri mit einer radikalen Verkehrsverlagerung erreicht werden: im Nahverkehr auf das Zufussgehen und das Fahrrad, im Fernverkehr auf die öffentlichen Verkehrsmittel.

Tempolimit, kleineres Parkplatzangebot und Veloabstellplätze

Um dieses Ziel zu erreichen, seien schnell und kostengünstig umsetzbare Massnahmen wie tiefere Tempolimiten auf allen Strassen, die Reduktion des Parkplatzangebots und dessen Ersatz durch Veloabstellplätze sowie die Schaffung von sicheren und direkten Velorouten auf bestehenden Strassen zu priorisieren. Velofahren und Zufussgehen sollen wieder attraktiv und dem Autoverkehr durch Lenkungsmassnahmen eine reduzierte Rolle zugewiesen werden.

Auch der Bund sei in die Pflicht zu nehmen: «Mit ihm sind Verhandlungen über eine massive Reduktion der Klimagase des Verkehrs auf den Nationalstrassen zu führen», heisst es weiter. Eine leicht umsetzbare Sofortmassnahme könnte die Senkung der Maximalgeschwindigkeit sein. Denkbar wäre auch ein nach Antriebsart differenzierter Preis der Autobahnvignette. Als kurzfristige Ergänzung zum Schienenverkehr könnte auf den Autobahnen ein nationales Fernbusnetz nach dem Vorbild des Tellbusses aufgezogen werden. (RIN)