Kanton Uri
Regierung will Potenzial mitteltiefer Geothermie für Uri abschätzen lassen

Die Erdwärme in einer Tiefe von 500 bis 3000 Meter wird in Uri noch nicht genutzt. Das könnte sich bald ändern. Die Regierung stimmt dem Anliegen einer Parlamentarischen Empfehlung zu diesem Thema zu.

Carmen Epp
Drucken
Erdwärmesonden bis 500 Meter Tiefe - wie hier im Garten eines Hauses in Zürich – werden auch in Uri rege genutzt. Nun soll das Potenzial für noch tiefere Bohrungen abgeschätzt werden.

Erdwärmesonden bis 500 Meter Tiefe - wie hier im Garten eines Hauses in Zürich – werden auch in Uri rege genutzt. Nun soll das Potenzial für noch tiefere Bohrungen abgeschätzt werden.

Bild: Gaetan Bally / KEYSTONE

Geothermie, also die Nutzung von Erdwärme, hat im Kanton Uri noch Potenzial. Dieser Überzeugung sind Raphael Walker (Grüne, Altdorf) und Zweitunterzeichner Ruedy Zgraggen (CVP, Attinghausen). Mit einer Parlamentarischen Empfehlung forderten die beiden den Regierungsrat im September 2019 dazu auf, das Potenzial mitteltiefer Geothermie mittels einer Studie abschätzen zu lassen.

Gemeint ist damit nicht die im Kanton Uri gängige «untiefe Geothermie», bei der Grundwasser- und Erdwärmepumpen die Wärme aus einer Tiefe von bis zu 500 Metern holen. Damit können zwar fossile Energieträger ersetzt und so das Klima geschont werden, heisst es im Vorstoss. Die Landräte halten jedoch fest, dass der Betrieb solcher Wärmepumpen aber auch viel Strom brauche: So komme bei solchen Wärmepumpen am Ende noch immer bis zu einem Viertel der Heizleistung aus der Steckdose, bei Luft-Wasserwärmepumpen an sehr kalten Tagen gar bis zu 100 Prozent.

Ab 1000 Metern Tiefe kann die Wärme direkt genutzt werden

Die beiden Landräte fokussieren sich deshalb auf die sogenannte «mitteltiefe Geothermie», also die Nutzung von Erdwärme in einer Tiefe von 500 bis 3000 Meter. «Im Bereich von 1000 bis 1500 Metern Tiefe ist das Erdreich so warm, dass für Raumheizungen und Brauchwarmwasser keine Wärmepumpe mehr notwendig ist und sich der Stromverbrauch auf die Förderpumpe beschränkt», schreiben die Landräte.

«Die gewonnene Wärme kann direkt genutzt werden.»

Weil Bohrungen der mitteltiefen Geothermie in der Regel nicht von einzelnen Hauseigentümerinnen und -eigentümern realisiert werden können, biete sich die Einspeisung in ein Wärmenetz an, halten die Landräte in ihrem Vorstoss fest. Dabei werde der Energieaufwand für die Erstellung einer Geothermieanlage in weniger als einem Jahr durch die gewonnene Energie kompensiert.

Potenzielle Investorinnen und Investoren seien auf ein gewisses Vorwissen über den geologischen Untergrund, also eine geologische Potenzialabschätzung, angewiesen, um beim Bund überhaupt ein Gesuch für Beiträge an die mitteltiefe Geothermie einreichen zu können.

«Nur für die Kantone Uri, Glarus und die beiden Appenzell gibt es bis jetzt keine Potenzialabklärung für die Geothermie»,

halten Walker und Zgraggen fest. Das wollen sie mit der Parlamentarischen Empfehlung ändern.

Vorstoss soll in Gesamtenergiestrategie einfliessen

Knapp anderthalb Jahre nach der Einreichung ihres Vorstosses erhalten die Landräte nun vom Urner Regierungsrat Recht. Die untiefe Geothermie in Form von Erdsonden und Grundwassernutzungen werde seit dem Start des Urner Förderprogramms Energie im Jahr 2000 unterstützt. Mit Erfolg: So seien bis heute rund 800 Bewilligungen für Bohrungen erteilt «und damit ein wichtiger Beitrag zur Nutzung von Umgebungswärme geleistet».

Im Gegensatz dazu werde die mitteltiefe Geothermie im Kanton Uri – mit Ausnahme der Tunnelwassernutzungen in Erstfeld oder Realp – noch nicht genutzt. Dafür fehlen, wie in der Parlamentarischen Empfehlung erwähnt, eine Potenzialabschätzung und ein allfälliges Nutzungskonzept.

«Um den Herausforderungen der Klima- und Energiepolitik gerecht zu werden, erachtet der Regierungsrat den weiteren Ausbau der Nutzung der Umgebungswärme als unumgänglich»,

heisst es in der Antwort. Die mitteltiefe Geothermie könne hier einen nicht unwesentlichen Beitrag leisten - sofern nutzbares Potenzial mit entsprechender Wirtschaftlichkeit vorhanden ist.

Derzeit seien die Arbeiten rund um die Erarbeitung der neuen Gesamtenergiestrategie im Gang mit dem Plan, diese bis Ende 2022 dem Landrat zur Kenntnisnahme zu unterbreiten. «Dabei spielt die verstärkte Nutzung der Geothermie ebenfalls eine Rolle», schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort. In diesem Rahmen werde die Parlamentarische Empfehlung zur Erstellung einer Potenzialstudie zur Nutzung der mitteltiefen Geothermie einfliessen. Daher empfiehlt der Regierungsrat dem Landrat an dessen Session vom 30. März, die Parlamentarische Empfehlung zu überweisen.