Ürner Asichtä
Ferienplanung mit neuem Konzept

Kolumnist Ralph Aschwanden ist Kinder- und Jugendbeauftragter des Kantons Uri. Er spricht über den Prozess, den eine Familie beim Planen von Ferien benötigt – wenn alle mitreden sollen.

Ralph Aschwanden
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Letzten Montag hat sich unsere Familie am Tisch versammelt und die Sommerferien geplant. Ja, wir sind etwas früh dran – aber bekanntlich ist die Vorfreude ja die schönste Freude. Entsprechend haben wir uns mitten in den Herbstferien vorgenommen, unsere Sommerferien-Reise im kommenden Jahr zu planen. Schliesslich wollen Flüge gebucht, Mietautos gemietet und Unterkünfte reserviert werden.

Ralph Aschwanden

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Bild: PD

Während in den vergangenen Jahren meist meine Frau und ich die Planung übernommen haben, so haben wir dieses Jahr unsere beiden Kinder vollumfänglich miteinbezogen – in gut partizipativer Manier. Schliesslich planen wir Familienferien, die allen gefallen sollen. Also haben wir entschieden, unsere Kinder schon früh in die Planung zu involvieren. «Fragen wir doch die Kinder, was sie möchten!» Das tönt eigentlich einfach, doch die Reise-Partizipation hat eben auch ihre Tücken. Kinder denken in vielem komplett anders als Erwachsene – das kann ihnen jede pädagogische geschulte Person bestätigen. Bei der Reiseplanung denken meine Frau (eine Reisefachrau) und ich persönlich an eine ungefähre Reiseroute sowie die verfügbare Zeit und dann geht’s an die Detailplanung. Wir denken an Reisedistanzen, an Schotterpisten (gilt es zu vermeiden) und Teerstrassen (gilt es zu befahren), an gut gelegene und preislich bezahlbare Unterkünfte, Flugdaten und Mietwagenpreise, an mögliche Wanderungen (und deren Anforderungen), an den Zugang zu Benzin und Verpflegung sowie an nicht zu lange Fahrtzeiten am Stück mit dem Auto.

Bei meinen Kindern wird gegoogelt und «ge-instagrammt» was das Zeug hält. Da werden Reiseführer nach Bildern durchforscht. Schliesslich werden wild Namen von Ortschaften in die Runde geworfen – was bei unserem Reiseziel auch von der Aussprache her zu einigen lustigen Missverständnissen führt. Aus dem Kindermund tönt es: «Da müssen wir hin! Sie mal, wie das aussieht!» «Hier hat es Wale!» «Da gibt es coole Läden!» Würden wir auf unserer Reise alles besuchen und erleben, was die Kinder bei ihrer Recherche gefunden hätten, wir müssten wohl mindestens doppelt so lange unterwegs sein. Zudem scheinen sich die beiden immer genau diejenigen Orte auszusuchen, die möglichst weit von der von den Eltern favorisierten Route entfernt sind, mindestens drei Stunden Off-Road-Track benötigen oder schlichtweg für unser Budget nicht bezahlbar sind.

Und doch: Die Begeisterung der Kinder für unsere Reise im Sommer 2023 ist merklich gestiegen. Wir haben dank der Kinder einige neue Orte gefunden, die wir gemeinsam besuchen möchten. Und zu guter Letzt haben meine Frau und ich gemerkt, was unseren Kindern auf der kommenden Reise wichtig erscheint: Gemeinsam Zeit zu verbringen, Tiere und Landschaft kennenzulernen – und weiterhin mitreden zu können. Die Ferienplanung 2.0 ist zwar etwas turbulenter geworden, als die bisherigen Planungen – dafür aber um einiges wertvoller.

Ralph Aschwanden, Kinder- und Jugendbeauftragter des Kantons Uri