Weltmeisterschaften
Gute Leistungen der Urner Biker in Val di Sole

Für einmal kehren die Urner Aushängeschilder im Bike-Radsport, Linda und Reto Indergand sowie Fabio Püntener, ohne Medaille von einem Grossanlass heim. Dennoch dürfen sich die gezeigten Leistungen jederzeit sehen lassen, allen voran Linda Indergand und die für den Downhill-Wettbewerb nachnominierte Delia Da Mocogno wussten zu überzeugen.

Josef Mulle
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Nach dem historischen Dreifachsieg der Schweizerinnen an den Olympischen Spielen von Tokio, mit der Urnerin Linda Indergand als Bronzemedaillengewinnerin, war die Erwartungshaltung im Hinblick auf die Weltmeisterschaften in Val di Sole auch von den Urnerfans sicher etwas höher geschraubt worden. Im ersten Rennen von Linda Indergand, dem Short-Track-Wettbewerb, bei dem zum ersten Mal Titel und Medaillen vergeben wurden, schien das Märchen von Tokio weiterzugehen. Denn Indergand war immer in der Spitzengruppe vertreten, musste aber im entscheidenden Moment abreissen lassen, und ihr verblieb in einem Wettbewerb, wo halt nur die Medaillen zählen, der undankbare 4. Platz. Auch beim samstäglichen Höhepunkt, dem Cross-Country-Rennen, sah es in der ersten Runde für die Silener Topbikerin sehr gut aus, bis sie wegen einer Havarie in einem Aufstieg vom Rad musste, und so den Anschluss an die vordersten Fahrerinnen verlor. Ihre Schweizer Kolleginnen Sina Frei und Jolanda Neff, die übrigens im Gegensatz zu Linda Indergand sowohl die Europameisterschaft in Serbien als auch den Swiss Bike Cup in Basel ausgelassen hatten, schienen etwas frischer und bestätigten diesen Eindruck auch mit den Plätzen 3. (Frei) und 4. (Neff)

«Mit dem 12. Platz bin ich eigentlich zufrieden, denn es ist mein bisher bestes Resultat auf dieser Strecke, die sicher nicht unbedingt auf meine Fähigkeiten zugeschnitten ist»,

so die Aussagen von Linda Indergand, der Bronzemedaillengewinnerin von Tokio.

Reto Indergand
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Linda Indergand
Delia Da Mocogno
Fabio Püntener

Reto Indergand

Bei der letzten Veranstaltung, dem Downhill-Rennen vom Sonntag, stand mit Delia Da Mocogno, Velo Infanger/IG Radsport Uri VMC Silenen, eine weitere Vertreterin der Urner Bike Elite im Einsatz. Das Radsport-Nachwuchstalent sorgte bisher eher auf der Strasse für Furore. Mit dem Abstecher zu den waghalsigen Downhiller und deren Landesmeisterschaften, wo sie sich selbstredend zur Siegerin ausrufen liess, veranlasste die Selektionäre von Swiss Cycling, die Allrounderin aus Silenen für die WM nachzunominieren. Mit einer beeindruckend frechen Fahrt auf dem schwierigen Kurs erreichte sie den 5. Platz, nur gerade zwei Sekunden fehlten zu einer Medaille an der ersten Weltmeisterschaft in dieser Disziplin.

Reto Indergand fürs Team Relay nominiert

Mit Reto Indergand stand schon beim ersten Wettbewerb dieser Weltmeisterschaften, dem Team Relay, ein Urner im Einsatz. Nachdem die Spitzencracks Schurter und Flückiger auf eine Teilnahme verzichtet hatten, fiel die Ehre dem in Solothurn wohnhaften Silener zu, als Startfahrer die Schweiz auf Medaillenkurs zu bringen. «Für mich war es wichtig, nach dem Start eine Spitzenposition einzunehmen, um in den kommenden engen Passagen vorne dabei zu sein. Das Unterfangen gelang mir sehr gut, obwohl mich später noch zwei Konkurrenten ein- und überholten», bilanzierte der Startfahrer seinen Relay-Einsatz. Das mit jungen Fahrern gespickte Schweizer Team brachte schlussendlich den von Reto Indergand herausgefahrenen 5. Platz über die Ziellinie. Was ihm beim Team Relay so hervorragend gelang, wurde im Cross Country zum eigentlichen Desaster, wo Indergand nach der ersten Zwischenzeit nur gerade als 53. Fahrer auftauchte. Mit Willenskraft und Wut im Bauch reichte es schliesslich noch zum etwas versöhnlicheren 39. Schlussrang.

Mit breiter Brust, nach seinem ersten grossen Sieg am Swiss Bike Cup in Basel, nahm der U23 Fahrer Fabio Püntener das Cross-Country-Rennen in Südtirol in Angriff. Bis zur zweitletzten Runde lief auch alles hervorragend, und eine Klassierung unter die Top Ten schien so gut wie sicher. Doch die Defekthexe vereitelte beim Urner Youngster, wie schon mehr bei grossen Rennen, den Sprung ganz nach vorne.

«Ich spürte, dass ich im Hinterrad langsam Luft verlor, dachte aber, es könnte bis zum Ende gerade noch reichen»,

schilderte Püntener die fatale Situation, bei der er dann die falsche Entscheidung traf. Mit einem fast platten Reifen wurde der Pechvogel noch auf den 20. Rang zurückgespült.